Verrückte fahren die Eroica – ein Rennen auf betagten Rädern durch das Chianti
Schotter für die Helden

Vorsicht! Schlupf durch Schotter. In den Senken der steil ansteigenden Innenkurven oberhalb von Lucignano im Chianti hat sich feiner, grieseliger Straßenschotter angesammelt und bildet einen tückischen Belag für unsere schmalen Rennradreifen.

Wer zu tief hineintaucht, der könnte beim Lenken ein bisschen rutschen, die Kontrolle verlieren und sich – im günstigeren Fall – verschalten. Oder – im schlimmeren Fall – einfach umkippen.

Aber wir sind, von Spitzkehre zu Spitzkehre, aufmerksamer geworden und umradeln das tückische Weiche mit immer größerem Geschick und nicht ohne Vorsicht. Umsichtiges Bremsen ist bergab fundamental – überall ragen spitze Feldsteinchen aus der Piste und scheinen nur darauf zu warten, Löcher in die Fahrradschläuche zu reißen.

Einige erzählen später bei der Heldenmahlzeit von drei- oder viermaligen Schlauchwechseln, andere von gebrochenen Rahmen, die sie notdürftig mit Holzstöcken befestigt hätten, wieder andere sogar von gebrochenen Holzfelgen aus den Anfangszeiten der Fahrradtechnik.

Aber alle schwärmen sie von dem Riesenspaß, bei diesem Rennen für historische und alte Räder dabei gewesen zu sein.

Mindestens 25, 30 Jahre sollte ein Rad auf den Speichen haben, um hier ernst genommen zu werden. Die wahren Helden durchmessen den Parcours per „Singlespeed“ – auf 100 Jahre alten Stahlrössern also, die nur einen Gang haben oder zwei, wenn’s hoch kommt, für die bei Berg- oder Abfahrt das Hinterrad umgebaut werden muss.

901 Teilnehmer sind zur „Eroica“ von Gaiole in Chianti aus gestartet, einem kleinen Städtchen unweit von der Provinzhauptstadt Siena.

Sogar eine Abordnung Schweizer Reservisten ist auf 25 Kilogramm schweren ehemaligen Militärrädern angestrampelt, um in voller Montur die 200 Kilometer anzugehen, Stahlhelm inklusive.

Die „Heldenhafte“ hat nichts mit der gleichnamigen Beethoven-Sinfonie zu tun. Sie wird organisiert vom Sportjournalisten, Mediziner und Buchautor Giancarlo Brocci seit 1997. Dieses Jahr unterstützt und gesponsert von der britischen Sattelmarke „Brooks“, deren klassisches Kult-Image gut zur geschichtsbewussten „Eroica“ passt.

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