Vierschanzentournee
Motorrad-Fan Freitag gibt Gas

Das Jahr 2014 war für Richard Freitag zum Vergessen. Erst verpasste er Olympia-Gold, dann misslang der Start in die neue Saison. Mit dem Sieg in Innsbruck rückt der 23-Jährige nun schlagartig wieder ins Rampenlicht.
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BischofshofenDie großen Emotionen nach dem grandiosen Triumph am Bergisel hatten sich bei Richard Freitag schnell gelegt. „Ich bin schon wieder geerdet. Das ist auch gut so“, berichtete der introvertierte Sachse bereits wenige Stunden nach dem frenetisch bejubelten Erfolg.

Zeit für eine rauschende Party blieb dem ersten deutschen Skisprung-Sieger bei der Vierschanzentournee seit Sven Hannawald vor zwölf Jahren ohnehin nicht, denn schon am Montag musste er in Bischofshofen wieder auf die Schanze.

Der Prestigesieg in Innsbruck könnte dennoch lange nachwirken. Zum ersten Mal bei einem großen Event spielte der begnadete Stilist seine Fähigkeiten voll aus. „Für Richard ist das sehr wichtig. Er steckt in einer interessanten Phase der Persönlichkeitsentwicklung. Er wird offener und zugänglicher. Er fängt an, es immer mehr zu genießen, vor Publikum zu springen und Spaß zu haben“, beschrieb Bundestrainer Werner Schuster die Bedeutung des am Sonntag von mehr als fünf Millionen TV-Zuschauern verfolgten Sieges.

Der verkorkste Tournee-Auftakt war damit zwar nicht vergessen, rückte aber schlagartig in den Hintergrund. Die heftige Kritik, auch vom Bundestrainer, hatte Freitag nicht aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht. Er empfand sie sogar als konstruktiv.

„Wir waren genauso enttäuscht wie alle anderen. In solchen Momenten muss man ehrlich zu sich selbst sein. Damit muss man genauso umgehen können wie mit solchen Tagen, an denen gefeiert wird“, erklärte der 23-Jährige.

Die Rückkehr in die Weltspitze bewerkstelligte er auch mit Hilfe eines Psychologen. Denn dem Tiefschlag bei den Olympischen Winterspielen, als Freitag wegen schlechter Leistungen beim Team-Wettbewerb zuschauen musste und damit Gold verpasste, folgte für den Motorrad-Fan ein Stotterstart in die WM-Saison. „Er hat sich wieder neu eingestellt und zurückgekämpft“, lobte Schuster.

An der Enttäuschung von Sotschi hatte Freitag im Sommer lange zu knabbern gehabt. „Da kann mir einer viel erzählen, wenn er sagt, das hake ich einfach ab. Das funktioniert nicht. Es hat eine Weile gedauert“, erzählte er. Bei einem Amerika-Urlaub arbeitete er den Misserfolg auf. „Da kommst du von den Gedanken mal weg und findest neue Ansätze.“

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