Vierschanzentournee
Schmitts Comeback beflügelt Geldgeber

Augen reiben, Glotze an, Vierschanzentournee. Diesem meist verkaterten Neujahrsritual haben sich in Deutschland in diesem Jahr rund 6,4 Millionen Fernsehzuschauer gewidmet. Auch wenn sich der deutsche Hoffnungsträger Martin Schmitt am zweiten Tourneetag aus dem engen Kreis der Titelkandidaten verabschiedet hat: Es war eine gute Tournee – für den 30-jährigen Comeback-Springer einerseits, für die Geldgeber andererseits.

KÖLN. Angesichts der ansprechenden TV-Quote und der hochwertigen Übertragung des Spektakels zeigen sich die sechs Hauptsponsoren äußerst zufrieden. Die eigene Präsenz im Fernsehen wurde durchweg als positiv empfunden. Eine „sensationelle Veranstaltung“, attestiert Jürgen Steinberger, Marketingmanager von Tirol Werbung, den Machern der Vierschanzentournee. „Wir gehen davon aus, dass wir im nächsten Jahr wieder als Hauptsponsor dabei sind.“ Keiner der sechs Hauptsponsoren schließt derzeit ein neues Engagement aus.

Bei Milka zieht man ein Resümee jedoch erst nach dem Ende der kompletten Skisaison. Die Marke sponsert auch das deutsche Alpin-Skiteam. „Bereits jetzt eine Aussage über nur einen Baustein unseres Kommunikations-Mixes zu treffen, ist unmöglich – obwohl die Versuchung durch das gute Abschneiden von Martin Schmitt und die dadurch wieder entflammte Skisprung-Euphorie groß ist“, sagt Milka-Marketingdirektor Urs-Peter Schmidt. „Unsere hohen Erwartungen werden in dieser Saison wohl übertroffen.“

Auch der Vermarkter IMG Sports Media sieht sich gestärkt aus der diesjährigen Tournee hervorgehen: „Wir haben gute Aussichten, alle Sponsoren zu halten“, sagt IMG-Geschäftsführer Matthias Pietza.

Titelsponsor Jack Wolfskin und die Hauptsponsoren Viessmann und Liqui Moly bleiben der Tournee ohnehin zumindest bis zur nächsten Saison erhalten. Das stand schon vor Beginn des diesjährigen Skisprung-Grand-Slams fest.

Deutsche Erfolge bringen TV-Quote – auf diese schlichte Formel lässt sich die Vierschanzentournee bringen. Mit seinem Podestplatz in Innsbruck und dem Gesamtrang vier hat sich Martin Schmitt sehr respektabel aus der Affäre gezogen. Das ambitionierte Auftreten der deutschen Athleten könnte auch dem Deutschen Skiverband (DSV) zu neuen Höhenflügen verhelfen. Schmitt gehört wieder zur Weltspitze – auch ohne Sieg. Ab Mai handelt der Verband einen neuen Vermarktungsvertrag für die Saison 2010/11 aus.

Vor allem der Sympathieträger aus dem Schwarzwald beschert dem DSV nun die sportliche Grundlage für eine lukrative Vermarktung. „Wenn es bei der Tournee gut läuft und wir Erfolge haben, dann stärkt das natürlich unsere Verhandlungsposition“, sagt DSV-Marketingchef Stefan Krauß, ein ehemaliger Skiprofi. „Mit dem Abschneiden der deutschen Springer sind wir sehr zufrieden. In den Verhandlungen um die Vermarktungsrechte wollen wir unseren Status Quo verbessern.“

Im Klartext: Der DSV will vom Vermarkter mehr Geld haben. Die Agentur IMG, die das Traditionsspringen schon seit 18 Jahren vermarktet, besitzt das Erstverhandlungsrecht. Gegenwärtig ist ein Hauptsponsoring-Paket nach Angaben des IMG-Geschäftsführers Matthias Pietza für rund eine halbe Mio. Euro zu haben. „Die Summe kann aber über weitere wesentliche Werbemittel wie die Startnummer in den höheren sechsstelligen Bereich gehen.“ Das Preis für das Namensrecht liege „im siebenstelligen Bereich“, sagt Pietza.

Die Forderung des DSV nach noch höheren Erlösen ist nicht unberechtigt. Schließlich haben die Fernsehzuschauer die Vierschanzentournee wiederentdeckt. Nach zuletzt mageren Jahren bei RTL haben die Öffentlich-Rechtlichen die Quote aus dem Keller geholt: Von rund 4,8 Mio. in der Saison 2006/07 stieg die TV-Zuschauerzahl im Folgejahr auf 6,25 Mio. Bei der gestern beendeten Tournee hielt sie dieses Niveau. Das Quotenhoch ist auch das Resultat eines verstärkten technischen Aufwandes. Allein beim Auftaktspringen in Oberstdorf kamen 28 Kameras zum Einsatz, auch an Seilbahnen und Hubschraubern. Damit die Sponsoren auch bei den Springen am Abend im Fernsehen gut zur Geltung kommen, setzte der Vermarkter IMG während der Tournee erstmals auch leuchtende Videobanden ein.

Den neuen Schwung will der DSV nutzen. Gemeinsam mit dem internationalen Skiverband FIS ruft er in diesem Jahr zusätzlich die Team-Tour ins Leben – einen Nationenwettbewerb mit fünf Springen in Willingen, Klingenthal und Oberstdorf. Die Veranstaltung sei nicht als Konkurrenz zur Vierschanzentournee zu sehen, sondern als Ergänzung, sagt DSV-Marketingchef Krauß. Erste Geldgeber sind schon an Bord: Die Agentur Sportfive als Vermarkter hat das Energie- und Kommunikationsunternehmen Teldafax als Titelsponsor gewonnen.

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