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Villeneuves schwierige Rückkehr

Bei seiner Rückkehr in die Formel 1 ist Jacques Villeneuve in eine Sackgasse gefahren. Ausgerechnet vor dem Heim- Grand-Prix in Montreal steht der Weltmeister von 1997 nach enttäuschenden Leistungen und öffentlicher Kritik von seinem Teamchef Peter Sauber vor einer ungewissen Zukunft.

dpa MONTREAL. Bei seiner Rückkehr in die Formel 1 ist Jacques Villeneuve in eine Sackgasse gefahren. Ausgerechnet vor dem Heim- Grand-Prix in Montreal steht der Weltmeister von 1997 nach enttäuschenden Leistungen und öffentlicher Kritik von seinem Teamchef Peter Sauber vor einer ungewissen Zukunft.

Doch in seiner Heimat ist der 34-Jährige noch ein Star. In den Tagen vor dem Rennen sind die Tageszeitungen voll mit Bildern, Interviews und Geschichten über ihn. Beim traditionellen Treffen mit den Medien war Villeneuves Restaurant "Newport" in Montreal vollbesetzt. Bei Autogrammstunden drängen sich die Fans vor seinem Tisch.

Sein Helden-Glanz ist in seiner Comeback-Saison dennoch längst verblasst. Die Beziehung zu Sauber ist schwierig. Teamchef Peter Sauber übte in aller Öffentlichkeit ungewohnt deutliche Kritik an seinem Star, nannte ihn "langsamer als erwartet". Sollten sich die Spekulationen über einen Einstieg von BMW bei Sauber bewahrheiten, könnte für Villeneuve trotz Vertrages bis 2006 kein Platz mehr sein.

Saubers Vorwurf bezeichnete er als "Witz", auch wenn er nicht darüber lachen kann. "Kritik äußert man nicht in der Öffentlichkeit. Wenn es passiert, dann ist das eine Schwäche des Teams", entgegnete er. Alle seien enttäuscht, wie wenig konkurrenzfähig sie sind. "Das neue Auto war nie wirklich schnell und niemand scheint zu wissen, warum. Es ist gut ausbalanciert, nicht schwierig zu fahren, aber es ist einfach langsam." Seine Erfahrung zähle aber im Team nicht.

Der Mittelfeld-Rennstall Sauber hatte sich einiges von Villeneuve erhofft. Dem seriösen, aber bieder wirkenden Team sollte der einzige Fahrer im Feld neben Michael Schumacher mit einem WM-Titel Publicity bringen und zugleich Entwicklungshilfe leisten. Für Villeneuve, der längst sein Rebellen-Image abgelegt hat, war Sauber die Chance zum Wiedereinstieg, nachdem er vor dem Saisonfinale 2003 nach fünf Jahren bei BAR-Honda aussortiert wurde.

Doch schon bei den drei letzten Saisonrennen 2004, die Villeneuve als Ersatz für Jarno Trulli im Renault absolvierte, deutete sich an, dass der Kanadier längst nicht mehr seine alte Klasse hat. Bei Sauber stiehlt ihm der junge Felipe Massa die Show. Auch wenn der Brasilianer vor dem achten Rennen in Montreal erst zwei Punkte auf seinem Konto hat, während Villeneuve dank seines vierten Platzes in Imola drei Zähler mehr vorweist. Massas größere Wertschätzung wurde deutlich bei Testfahrten in Barcelona im Mai, als Sauber den 24- Jährigen einfliegen ließ, um Villeneuve zu ersetzen.

Endgültig riss Teamchef Sauber der Geduldsfaden beim Grand Prix in Monte Carlo. Villeneuve hatte versucht, seinen Teamkollegen riskant zu überholen. Beide Fahrer verloren ihre Punkteplätze und mussten später in der Sauber-Zentrale in Hinwil zum Rapport. "Ich habe ein schwarzes Buch, in dem ich eine Liste von Plus- und Minuspunkten notiere. Und Jacques hat für das Manöver in Monaco einige Minuspunkte bekommen", meinte Sauber.

Villeneuve bereut trotz aller Probleme sein Comeback nicht. "Ich bin viel glücklicher damit, Rennen zu fahren als sie zu Hause im Fernsehen anzuschauen." Noch immer ist er überzeugt, dass er mit den Besten der Besten mithalten kann, obwohl er seinen letzten Sieg am 28. September 1997 auf dem Nürburgring holte: "Wenn ich das nicht glauben würde, dann wäre ich nicht zurückgekommen."

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