Volleyball EM
Von Moltke: „Wir haben eine Duftmarke gesetzt“

Die deutschen Volleyballerinnen haben bei der Europameisterschaft in Polen einen guten vierten Platz erreicht, das Beachvolleyball-Duo Julius Brink und Jonas Reckermann holte im Sommer den Weltmeisterschaftstitel. Damit ist dieses Jahr das erfolgreichste der Geschichte des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Verbandspräsident Werner von Moltke spricht im Interview über den vierten Platz der Volleyballerinnen, die daraus resultierende Erwartungshaltung, mögliche neue Sponsoren und Vermarktungsstrategien.

Die deutschen Volleyballerinnen haben bei der EM die erste Medaille seit sechs Jahren verpasst. Wie bewerten Sie den vierten Platz ?

Die Mädels waren am Ende einfach müde. Wenn uns vor der EM jemand gesagt hätte, dass wir Vierter werden, hätte das wahrscheinlich jeder super gefunden. So wie es jetzt gelaufen ist, gibt es natürlich auch Enttäuschung. Aber die Mädels haben gesehen, dass sie oben mithalten können, und auch, woran sie noch arbeiten müssen. Da ist Perspektive in der jungen Mannschaft, das wird das Team schon bei der WM im nächsten Jahr zeigen. Wir dürfen im deutschen Volleyball nicht durchdrehen, nach all den Erfolgen im Sommer kann es auch mal einen kleinen Rückschlag geben."

Wie haben sich der erste WM-Titel im Beachvolleyball, WM-Gold für die Juniorinnen und der erste Europaliga-Sieg in der Halle denn ausgewirkt ?

Wir haben eine Duftmarke gesetzt. Wir waren noch nie so erfolgreich wie dieses Jahr. Dieser extrem gute Auftritt hat uns viele Sympathien verschafft. Durch den Halbfinal-Einzug bei der EM sind wir auch wieder ins Fernsehen gekommen."

Werden sich die Erfolge denn irgendwann auch finanziell auszahlen ?

Natürlich sind die Erfolge positiv, aber sie bringen uns finanziell durch die längeren Aufenthalte der Nationalteams sogar in Probleme. Zum Beispiel mussten die Frauen noch in der Nacht nach der EM fünf Stunden mit dem Bus nach Hause zurückfahren. Wir haben nicht das Geld, um sie zurückzufliegen."

Ist fast ein Jahr nach dem Abschied des alten Geldgebers und damit dem Verlust von etwa 300 000 Euro endlich ein neuer Hauptsponsor für den Verband in Sicht ?

Wir haben viel mehr Aufmerksamkeit und viele gute Gespräche. Ich könnte das Trikot der Nationalteams sofort verkaufen, aber nicht für den Preis, den wir haben wollen. Ich hoffe, dass die Sache bis Weihnachten geklärt ist. Wenn wir 70 Prozent des alten Betrages kriegen, wäre ich in der Wirtschaftskrise zufrieden."

Das Vorbild Polen bei der EM zeigt, wie man Volleyball vermarkten kann. Was kann der deutsche Verband tun ?

Wir wollen Großereignisse nach Deutschland holen. 2010 soll die Beach-EM in Berlin sein, und wir kehren mit den Männern in der Halle in die Weltliga zurück. 2011 wollen wir das Weltliga-Finale ausrichten. Außerdem gibt es einen Brief des Weltverbandspräsidenten, wonach der Beach-Grand-Slam dann wieder in Berlin stattfinden soll. Die Hallen-EM der Frauen 2013, die wir gemeinsam mit der Schweiz ausrichten wollen, ist fast schon in trockenen Tüchern. Dann gibt es noch die Männer-WM 2014 in der Halle, die wir kiegen können. Der deutsche Volleyball wird auf jeden Fall im Gespräch bleiben. Durch Turniere und hoffentlich auch durch Medaillen."

© SID

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