Volleyball National
DVV-Chef Werner Graf von Moltke wird 70

Werner Graf von Moltke wird heute 70 Jahre alt. Der nimmermüde Verbandschef der deutschen Volleyballer kann auf ein bewegtes Leben im Sinne des Sports zurückblicken, sprüht aber immer noch vor Ideen und Tatendrang.

Werner Graf von Moltke feiert heute im Kreise seiner Familie seinen 70. Geburtstag. Anstelle eines rauschenden Festes hat der ehemalige Top-Leichtathlet und heutige Verbandschef der deutschen Volleyballer für die Zeit um seinen Ehrentag am 24. Mai drei Bungalows in Oberhof unweit seines Geburtsortes gemietet. Dieses Mal soll die Familie anstatt seiner vielen Freunde in Sport und Politik im Mittelpunkt stehen. Auf seine drei Kinder und sechs Enkel wartet ein Erlebnisprogramm vom Bobfahren bis zur Rennsteigwanderung.

"Ich will keinen Zirkus zum 70. mit 400 Leuten, ich will einfach mal der perfekte Opa sein. Meine Enkel haben manchmal viel zu wenig von mir, weil ich ständig mit dem Sport zu tun habe", erzählt von Moltke dem sid. So ist es schon fast sein ganzes Leben, und so wird es auch trotz einer überstandenen Herzattacke und der anstehenden Hüftoperation bleiben. "Ich bin bis 2009 als Volleyball-Präsident gewählt, aber ich würde auch ein, zwei Jahre länger machen, falls sich kein Nachfolger findet", erzählt der längst noch nicht müde Jubilar.

Dank Moltke Großereignisse en masse in Deutschland

Von Moltke hat die Vision, den deutschen Volleyball als einen der weltweiten Spitzenverbände an seinen Nachfolger zu übergeben. Der nimmermüde Manager holte mit der Hallen-WM 2002, der Hallen-EM 2003, der Beach-EM 2004 und der Beach-WM 2005 Großereignisse en masse nach Deutschland, doch die für den großen öffentlichen Durchbruch nötigen Erfolge blieben bislang aus. Das wurmt den sympathischen Grafen, deshalb hofft er bei der Doppel-WM in diesem Jahr in Japan und Olympia 2008 in Peking auf den ganz großen Durchbruch.

Der Ehrgeiz wurde dem Träger des Bundesverdienstkreuzes bei der Geburt im thüringischen Mühlhausen in die Wiege gelegt, die Ahnentafel derer von Moltke ist reich an spektakulären Geschichten. "Mein Stammbaum geht zurück auf 1 125, als ein Raubritter mit dem Namen Adam Moltke umgebracht wurde. Zum Glück hatte er vorher Kinder gezeugt", berichtet Werner von Moltke augenzwinkernd. Helmuth von Moltke führte im deutsch-französischen Krieg 1 870/71 als Generalfeldmarschall das Heer von Bismarck.

Mit Krieg oder Adel hat sein Nachfahr nicht viel zu tun, beim alle vier Jahre stattfindenden deutschen Adelsball ist er jedoch präsent: "Da gibt es Handküsse, Schärpen, Monokel, Exzellenzen - ich gehe da gern hin. Es versetzt mich in eine Zeit zurück, von der ich nur gehört habe, ohne sie zu kennen."

Zehnkämpfer Molke als erster 8 000 Punkte

Über den Handball kam Werner von Moltke zur Leichtathletik, weil ich "in Mathe und Physik einfach nicht glänzen konnte". Dafür im Zehnkampf, wo es der über 1,90 Meter große Recke 1958 und 1968 zum deutschen Meistertitel und 1966 zu EM-Gold brachte. Moltke durchbrach zudem als erster deutscher Zehnkämpfer die magische 8 000-Punkte-Marke.

Die Leichtathletik bescherte ihm aber auch die größten Enttäuschungen. Bei Olympia 1960 flog der zweimalige Zweite bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres nach einer "üblen Politik-Mauschelei" zugunsten eines DDR-Sportlers aus dem Team. 1968 in Mexiko musste der Medaillenkandidat verletzt aufgeben. Nach dem Ende seiner Karriere wechselte von Moltke zu adidas und war dort zuletzt Sportdirektor.

Seine glänzenden Kontakte zur Wirtschaft brachten ihm auch den Posten des Vizepräsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ein, den er 1997 nach einem Streit mit dem damaligen Präsidenten Helmut Digel im Frust wieder räumte. "Digel hat einfach Stimmung gegen mich gemacht. Ich hatte damals Tränen in den Augen", schildert der Graf einen der bittersten Momente seines Lebens.

"Sport ist mein Leben, ich kann nicht anders"

Um ein weiteres Lebenswerk - den Club der Besten - tobt noch heute ein Streit. Seit 1984 hatte von Moltke den besten deutschen Sportlern in Zusammenarbeit mit Ferienveranstaltern alljährlich eine Woche kostenlosen Urlaub verschafft, doch im vergangenen Jahr startete die Sporthilfe eine Konkurrenzveranstaltung. "Das ist eine der größten Sauereien, dass mir die Sporthilfe das wegnehmen und Geld damit verdienen will. Da zweifle ich an der Anständigkeit des Sports", poltert von Moltke.

Der aufrechte Kämpfer, stets voller Ideen, will trotzdem mit dem überaus beliebten Club weitermachen. Nachdem er 2000 in Sydney und 2004 in Athen jeweils ein gechartertes Schiff zum Treffpunkt von Medien, Sportlern und Prominenz machte, plant der in Niederolm bei Mainz ansässige von Moltke für Olympia 2008 einen weiteren Coup: "Da wird es einen Treffpunkt in ganz tollem Ambiente geben. Sport ist mein Leben, ich kann nicht anders."

© SID

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