Volleyball WM
Deutsche Volleyballerinnen nun gegen Brasilien

Das Rechenschieber-Finale bei der WM in Japan sorgt vor dem entscheidenden Zwischenrunden-Wochenende für Ärger bei Deutschlands Volleyballerinnen. Am Samstag geht es gegen Brasilien.

Ausgerechnet zum entscheidenden Zwischenrunden-Wochenende der WM in Japan wird der Rechenschieber zum wichtigste Helfer der deutschen Volleyballerinnen. Vom Halbfinal-Einzug bis zur vorzeitigen Heimreise ist für die "Schmetterlinge" vor den Spielen gegen Brasilien am Samstag und die USA am Sonntag (jeweils sechs Uhr MEZ/live in Arena) wegen der seltsamen Regeln des Volleyball-Weltverbandes Fivb noch alles möglich.

"Die Regel ist katastrophal. Die versteht kein Zuschauer und manche Spielerinnen sicher auch nicht", schimpfte der deutsche Delegationschef Götz Moser. Die im April 2005 vor der Fivb eingeführten Paragraphen besagen, dass bei Punktgleichheit der Quotient der gespielten Satzpunkte vor dem Quotienten der Sätze über die endgültige Platzierung entscheidet.

Würden wie im Europäischen Verband oder der Bundesliga die Sätze zuerst zählen, wäre das deutsche Team zumindest bei den Finalspielen der besten zwölf sicher dabei. So muss noch gezittert werden - und in manchen Situationen kann es sogar von Vorteil sein, einen Satz zu verlieren als zu gewinnen.

"Spielen statt Nachdenken"

"Das ist schon komisch. Aber es ist für uns auf dem Platz besser, sich gar nicht damit zu beschäftigen. Die Devise heißt: Spielen statt Nachdenken", meinte Birgit Thumm beim Abschlusstraining im Minato-Sportzentrum von Osaka. Die Angreiferin konnte wegen ihres angeschwollenen Knies nicht mitüben, während die schwer erkältete Spielführerin Angelina Grün auf eigenen Wunsch dabei war.

Bundestrainer Giovanni Guidetti ließ nach den mäßigen Leistungen beim bitteren 2:3 gegen die Niederlande und dem 3:0 gegen Puerto Rico vor allem immer wieder Grundtechniken wie die Annahme trainieren. Anschließend wurde noch im Kraftraum geschuftet, damit seine nervösen Damen auf andere Gedanken kommen.

Die Rechenspielereien waren genau aus diesem Grund kein Thema - außer, als Guidetti seine Mädels aufforderte, um "jeden einzelnen Punkt zu fighten". Vor den entscheidenden beiden Spieltagen liegt Deutschland mit 6:4 Punkten auf Platz drei. Um noch ins Halbfinale zu kommen, wären Siege gegen Brasilien und die USA Pflicht. Zudem müsste Topfavorit Brasilien sein Abschlussspiel gegen Russland verlieren und Deutschland (446:421 Punkte) insgesamt 50 Zähler gegen die Südamerikanerinnen (449:374) gutmachen.

Platzierungsrunde auch mit zwei Pleiten erreichbar

Ein Sieg gegen die USA würde den sicheren Einzug in die angestrebte Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht sichern. Das Wunschziel ist möglicherweise auch mit zwei Pleiten erreichbar - allerdings könnten sie bei ungünstigen Resultaten der anderen Spiele auch das Zwischenrunden-Aus bedeuten.

"Diese Regel ist wirklich unsinnig. Vielleicht musst du da den Mädels beim 23:23 sagen, dass sie die nächsten beiden Punkte lieber abgeben sollen. Denn wenn du diesen Satz gewinnst und den nächsten hoch verlierst, steht du schlechter da", meinte Chefcoach Guidetti. Bedeutet, dass dann das Punkteverhältnis noch schlechter wäre.

Der ebenfalls vom grassierenden Rechenschieber-Syndrom betroffene Holland-Trainer Avital Selinger meinte: "Das Volleyballspiel wird nach Sätzen gespielt. Also sollten die Sätze auch vor den kleinen Punkten zählen. Wir sind schließlich nicht beim Basketball."

Das sieht die Fivb allerdings anders. Laut Pressesprecher Paul O´Neill sollten mit den neuen Wertungsregeln "Manipulationen schwerer gemacht werden". Bis nach Olympia 2008 sei daran nicht zu rütteln.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%