Volleyball WM
Volleyballer bei WM auf Halbfinalkurs

Die deutschen Volleyballer haben bei der WM in Italien Tschechien besiegt und sind nun auf Halbfinalkurs. Mit einem Sieg gegen Brasilien könnte ein historischer Erfolg folgen.

Deutschlands Volleyball-Riesen haben nach ihrem Triumph gegen Tschechien die beste WM-Platzierung seit 36 Jahren in der Tasche und das Halbfinale vor Augen. Der überragende Kapitän Björn Andrae führte die endlich überzeugende Auswahl in Rom zu einem umjubelten 3:0 (25:23, 25:18, 25:13) beim Drittrunden-Auftakt. Mit einem Sieg im Gruppenfinale gegen Weltmeister Brasilien am Mittwoch (17.00 Uhr) wäre der Einzug in die Runde der letzten Vier perfekt und die zweite Medaille nach dem WM-Titel der DDR 1970 greifbar nahe.

"Das war unsere schönste Leistung bei diesem Turnier, wir haben endlich befreit gespielt", sagte Andrae und meinte mit Blick auf den mindestens erreichten achten Platz: "Damit haben wir unser Ziel bei dieser WM schon erreicht. Alles andere ist ein Bonbon, aber das lutschen wir gern. Wir wollen Brasilien schlagen." Bundestrainer Raul Lozano meinte: "Ich bin stolz auf mein Team. Jetzt wollen wir uns unseren Traum vom Halbfinale erfüllen."

Mit dem Spaß kommt der Erfolg

Der ebenfalls starke Simon Tischer sah den Grund für die Leistungsexplosion in einer Krisensitzung des Teams: "Wir haben nach dem letzten Spiel gemerkt, dass wir bei einer WM so nicht auftreten können. Diesmal hatten wir Spaß, damit auch Selbstvertrauen. Jetzt müssen wir den Schwung gegen Brasilien mitnehmen und nicht daran denken, dass wir eine Medaille gewinnen und damit etwas Historisches leisten können."

Dabei ist das jetzt schon geglückt. Besser als Platz acht war bei einer WM zuletzt die DDR 1974 als Vierter in Mexiko-Stadt. "Es wäre Wahnsinn, wie Deutschland wachgerüttelt wird, wenn wir hier ins Halbfinale einziehen", meinte Andrae. Brasilien hatte beim 3:2 gegen Tschechien keinesfalls eine überzeugende Figur abgegeben.

Ganz anders die Deutschen. Das Frauen-Nationalteam hatte vor dem Spiel noch ein Fax geschickt: "Viel Erfolg gegen die böhmischen Knödel." Entsprechend motiviert starteten die Männer vier Tage nach der bitteren 1:3-Pleite gegen Italien in der mit nur 3 000 Zuschauern gefüllten Palalottomatica-Halle.

Schrecksekunde für Steuerwald

Überraschend durfte der 2,07 Meter große "Joker" Christian Dünnes erstmals im Block beginnen, und seine Kollegen zeigten sich vor allem in der Abwehr um den erneut überragenden Libero Ferdinand Tille so motiviert wie im gesamten Turnier zuvor nicht. Beim Stand von 19:18 gab es dann allerdings eine Schrecksekunde, als Zuspieler Patrick Steuerwald umknickte. "Es ist aber nur eine Prellung, ich kann gegen Brasilien spielen", meinte Steuerwald danach.

Sein Ersatz Simon Tischer fand sofort ins Spiel, und ein Fehlaufschlag des Gegners brachte die umjubelte 1:0-Führung. Das war die Vorentscheidung. Die sichtlich beeindruckten Tschechen, die im WM-Verlauf unter anderem Olympiasieger USA und den WM-Dritten Bulgarien besiegt hatten, leisteten sich danach eine ganze Serie von Fehlern. Zudem stand der deutsche Block gut, und im Angriff punkteten vor allem Robert Kromm (16 Punkte) Georg Grozer (15) und Andrae (11). Der Kapitän war trotz einer schmerzhaften Knochenhautentzündung aufgelaufen und ein Vorbild für die gesamte Mannschaft.

Nun geht es im Spiel gegen die bislang keinesfalls überragenden Brasilianer um die Erfüllung des großen Traums von der WM-Medaille. Den letzten Test vor den Titelkämpfen hatte das deutsche Team in Heidelberg souverän mit 3:0 gegen den Weltmeister gewonnen. Damals ging es um nichts, diesmal würde ein ähnliches Ergebnis den Einzug ins WM-Halbfinale bedeuten. Kromm: "Wir haben doch eine komfortable Situation. Brasilien ist Favorit, aber wir sind so gut, dass wir sie schlagen können."

© SID

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