Volvo Ocean Race
Kalte Dauerdusche inklusive

Wieder und wieder verschwindet der Rumpf des Seglers zwischen den Wellen, die Gischt spritzt über das Deck und wird zur Dauerdusche für die Mannschaft. Zwei Männer mit Spiegelbrille stehen vornüber gebeugt im Cockpit und kurbeln, bis ihre Gesichter rot anlaufen. Das Manöver dauert nur Sekunden. Die Wende läuft perfekt, und die Jacht rauscht weiter durch das aufgewühlte Wasser.

HB VIGO.Mit solch spektakulären Bildern von Trainingsfahrten werben die sieben Mannschaften des Volvo Ocean Race 2005/2006 für ihr waghalsiges Vorhaben. Bildschirme auf Sponsorenpartys und Fernsehsender in verschiedenen Ländern zeigen, was die Besatzungen in den kommenden Monaten erwartet: harter Wettbewerb unter extremen Bedingungen.

Einmal auf einer Rennjacht die 30-Knoten-Marke zu sprengen, also mit 55 Stundenkilometern durchs Wasser zu rauschen, das bleibt für die meisten Freizeitsegler nur ein Traum. Denn zehn Knoten oder 18,5 Stundenkilometer, das ist für viele das Höchste der Gefühle.

Für den Begleit-Törn einen Tag vor dem Start steht eine Ericsson-Jacht zur Verfügung, die 2001 Zweiter wurde und jetzt ein Gästeschiff ist. Der schwedische Mobilfunk-Riese schickt als Geldgeber eine der hochtechnischen Jachten auf die 32 000 Meilen (59 000 Kilometer) lange Strecke rund um die Welt. Eine millionenschwere Investition, die dem Firmenimage helfen soll. In Sanxenxo, unserem Ausgangspunkt nördlich von Vigo, knallt die Sonne vom Himmel. Von Wind ist kaum eine Spur. Die kleine Hafenstadt war für Wochen die Trainingsbasis der Rennjachten, die wir nun auf ihrer Überführung zum Start nach Vigo begleiten sollen.

Wir motoren aus dem Hafen, der leichte Nordwest-Wind kommt, wie so oft, von vorne. Die Gäste René und Leonard ziehen am Mast das Großsegel hoch und stellen sich zur Feineinstellung an die Kurbeln. Nach einer Minute hören wir René schon stöhnen: „Ich bin zu alt dafür.“ Der Mann ist 39. Er wird blass und lässt sich auf das Deck fallen. Dennis springt für ihn ein. Die 18,5 Meter lange Jacht (60 Fuß) wird etwas schneller und neigt sich leicht auf die Seite.

Auch die Rennjachten haben mittlerweile den Hafen verlassen. Ein Wachsystem bei den Profis wird garantieren, dass der 14-Tonner rund um die Uhr Höchstleistung zeigt. Tägliches Fitnesstraining und endlose Probefahrten machen das Setzen des 172-Quadratmeter-Großsegels zu einer der leichtesten Übungen an Bord. Etwas komplizierter ist das Handling des Spinnakers, der mit 500 Quadratmetern gigantisch ist.

Zwei Mann, die Trimmer, kontrollieren permanent den Sitz aller Segel. Verrückt? „Wir segeln, um Geld zu verdienen“, sagt Tony Kolb grinsend vor dem Start. Der „Ericsson“-Mann ist der jüngste im Team und der einzige Deutsche im ganzen Rennen. 2002 arbeitete er auf der Siegerjacht „Illbruck“. „Naja“, räumt der 29-Jährige ein, „vielleicht sind wir es doch. Wenn wir so im Südlichen Ozean die Wellen runtersurfen und ständig nach Tiefdruckgebieten suchen.“ Oder wie sein Kollege Richard Mason es ausdrückt: „Nass und kalt – eben ein phantastischer Spaß.“

Seite 1:

Kalte Dauerdusche inklusive

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%