Vor dem Slalom: Rocca sucht die Kraft in der Ruhe

Vor dem Slalom
Rocca sucht die Kraft in der Ruhe

Ganz Italien fordert ein goldenes Olympia-Finale, doch Ski-Star Giorgio Rocca ist vor den großen Erwartungen und dem noch größeren Rummel geflohen.

HB TURIN. Fernab von Sestriere tankt er Kraft bei seiner Familie und bereitet sich auch mit Hilfe eines Psychologen auf den Slalom am Samstag vor. "Das ist das Rennen meines Lebens", sagt der 30-Jährige vor seinem Auftritt auf der Piste "Kandahar Giovanni Alberto Agnelli".

Nach seinen Ausrutschern in den letzten beiden Weltcup-Rennen hofft der Zollbeamte aus Livigno in der Abgeschiedenheit seine Souveränität wieder gefunden zu haben: "Die Olympia-Piste verzeiht keinen Fehler, aber jetzt fühle ich mich wieder sicher." Keiner hat auf dem Eishang von Sestriere so oft trainiert wie der Carabiniere aus dem Veltlin, der jede Welle auswendig kennt. Vor den Spielen fühlte sich der elfmalige Gewinner eines Weltcup-Slaloms in Sestriere wie zu Hause. Der Olympia-Rummel aber nervte ihn: "Hier wird zu viel von mir erwartet", beklagte der zurückhaltende Rocca, ehe er verschwand.

Italiens Presse hat ihn schon zum Erben des legendären Alberto Tomba hochgejubelt, der bei Olympia mit fünf Medaillen glänzte und sieben Weltcup-Slaloms in Serie gewonnen hat. Das ist noch immer der Rekord im Weltcup. Immerhin war Rocca auf Tombas Spuren: Fünf mal hintereinander siegte er in dieser Saison, ehe er die letzten beiden Slalom-Rennen vor Olympia nicht beenden konnte.

Um endlich in einem Spezial-Slalom wieder ins Ziel zu kommen, zog es Rocca erst ins ruhige Piemont-Dörfchen Bielmonte und dann nach Pila ins Aosta-Tal. Auf eigens vereisten Hängen holte er sich den Feinschliff für den Olympia-Slalom. Tagsüber trainierte er mit seinen Teamkollegen Patrick Thaler und Hannes Paul Schmid, abends spielte er mit seiner Zimmerwirtin Paola Karten. Nach Pila kam dann auch noch der Team-Psychologe Beppe Vercelli.

Rocca muss den Kopf frei bekommen und vor allem den immensen Druck aushalten. "Das ist das Wichtigste", sagt Tomba, der auch als Sportler das pulsierende Leben liebte. Sein Landsmann dagegen sucht die Kraft in der Ruhe. Nach der knapp verpassten Bronze-Medaille in der Kombination verzichtete er auf seinen Olympia-Start im Super G und im Riesenslalom. Nun will Rocca im Flutlicht-Slalom von Sestriere zeigen, was er kann.

Auch nach der für Donnerstag avisierten Rückkehr will der Familienmensch den Trubel im Olympischen Dorf meiden und Zuflucht bei seiner Frau Tania und dem knapp drei Monate alten Söhnchen Giacomo suchen. Für die Familie hat er eigens ein Appartement in Sestriere angemietet. "Giacomo ist der Einzige, der ihn zum Schlafen bringen kann", berichtet Tania. Seit drei Jahren sind die beiden verheiratet. Doch das allein mache Rocca nicht stark, verriet die "La Gazzetta dello Sport": "Tanias Lasagne ist Giorgios Geheimwaffe."

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