Vor der Frankreich-Rundfahrt
Strafversetzt zur Tour de France

Geständnisse, Sperren, Schmierenkomödien: Die Diskussion um Doping im Radsport erreicht ihren Höhepunkt. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass neue Details bekannt werden. Mitten hinein in die Krise beginnt die wichtigste Rundfahrt überhaupt, die Tour de France. Und nicht jeder fährt gern mit.

LONDON. Kurz vor seiner Abreise nach London hat sich Andreas Klöden zu Wort gemeldet. Klöden, 32, ist Fahrer beim kasachischen Rennstall Astana, er zählt zu den Favoriten bei der Tour de France, 2004 wurde er Zweiter, vergangenes Jahr Dritter.

Andreas Klöden hat es in den vergangenen Monaten vorgezogen zu schweigen, wenn munter über Doping debattiert wurde. Am Mittwoch wurde Klöden gefragt, ob er mit Lust und Laune dem Tour-Start entgegensehe. Klöden antwortete: „Freuen? Das war einmal. 2001, vor meiner ersten Tour, hab’ ich mich gefreut wie ein kleiner Junge. Jetzt empfinde ich es wie eine Strafversetzung, bei der Tour zu starten. Jetzt sitze ich hier und sage mir: Scheiße, jetzt geht der ganze Dreck wieder los.“

Darauf, dass der Dreck – in Klödens Welt die stürmische Diskussion um den dopingverseuchten Radsport – wieder los geht, darf, wer mag, Wetten abschließen. Die Tour 2007 wird wie ihre Vorgänger-Ausgaben 2006 und 1999 von zwei Karawanen begleitet: von den kunterbunten Werbe-Trucks und dem Tross der Anti-Dopingkämpfer. Schon jetzt gilt als sicher, dass so mancher Fahrer nächtens Besuch von französischen Fahndern erhalten wird. 1999, ein Jahr nach dem Festina-Skandal, wühlten die Beamten ebenso unermüdlich in Teambussen und Sporttaschen wie vergangenes Jahr nach der Affäre um Fuentes.

Einen so gruseligen Eindruck wie der Jahrgang 2007 dürfte aber noch kein Peloton erweckt haben. Nicht nur, dass es ohne eine Nummer eins aufbrechen wird. Dem Vorjahressieger Floyd Landis wird immer noch versucht, hieb -und stichfest nachzuweisen, dass sein unerlaubt hoher Testosteronwert keine fehlgesteuerte Eigenproduktion zum Grund hatte. Die Akten der „Operacion Puerto“, die vergangenen Mai zur kurzzeitigen Festnahme des Madrider Dopingmischers Eufemiano Fuentes führte, sind vom Weltverband UCI noch immer nicht ausgewertet sind, obwohl ihm die ersten 1 000 Seiten seit drei Wochen vorliegen.

Am gestrigen Donnerstagabend zerfiel das vormals so eng geschlossen stehende Lager der Radfahrer auch noch in zwei Teile. Auf einer Sitzung der Pro-Tour-Teams verließen die beiden deutschen Teams Gerolsteiner und T-Mobile an der Seite der französischen Teams wutschnaubend die Veranstaltung. „Als ein spanischer Vertreter sagte: 'wir nehmen nur Medizin wie andere Sportler auch, das ist kein Doping', bin ich aufgestanden und bin gegangen“, sagte Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer.

Franzosen und Deutsche wollen nun am ersten Ruhetag eine eigene „Arbeitsgruppe“ gründen. Ziel der AG: den Kampf gegen Doping forcieren, notfalls nicht nur ohne, sondern gegen Spanier und Italiener. Der Weltverband hatte auffällige Blutprofile mehrheitlich italienischer, spanischer und portugiesischer Fahrer an die Pro-Tour-Teams überstellt. Zudem halten spanische und italienische Rennställe entgegen des Ehrenkodex’ weiterhin Fuentes-Kunden unter Vertrag.

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