Vor der WM
Tischtennis-Cheftrainer: "Wir haben keinen Favoriten"

Dirk Schimmelpfennig, der Cheftrainer des Deutschen Tischtennis-Bundes, hofft bei der Tischtennis-WM auf eine Medaille. Doch wenn alle Chinesen weit kommen, werde es für die Konkurrenten sehr schwer.

Mit welcher Zielsetzung fahren Sie nach Shanghai?

Ursprünglich hatten wir vor, mit großem Selbstvertrauen den kurzen Sprung von der EM zur Einzel-WM zu schaffen. Nach dem enttäuschenden Abschneiden in Aarhus haben wir jetzt etwas andere Voraussetzungen. Nichtsdestotrotz sind wir weiter davon überzeugt, dass wir eine spielstarke Mannschaft in Shanghai an den Start bringen. Unsere Zielsetzung bleibt daher unverändert: Wir wollen in die Nähe der Medaillen kommen und bei optimalem Verlauf eine Medaille gewinnen.

In welchem Wettbewerb kann dies gelingen?

Wir haben keinen Top-Favoriten in den Reihen, die besten Chancen haben wir aber sicherlich im Herren-Einzel durch Timo Boll, der an Position fünf gesetzt ist sowie im Herren Doppel mit der Kombination Boll/Christian Süß.

Die Chinesen sind heiß auf die WM, wollen im eigenen Land alle Titel holen. Was kann sie stoppen?

Die Chinesen sind natürlich die großen Favoriten. Gerade im Damen-Bereich waren sie in den vergangenen Jahren bei Großereignissen kaum zu schlagen. Bei den Herren sieht es etwas anders aus. Bei der WM in Paris vor zwei Jahren hat mit Werner Schlager ein Österreicher und bei Olympia 2004 mit Ryu Seung Min ein Koreaner gewonnen. Im eigenen Land ist der Erwartungsdruck jetzt natürlich enorm. Hier könnte aber eine Chance für die Konkurrenten liegen. Sollte der eine oder andere Chinese frühzeitig ausscheiden, könnten die Nervosität und der Druck noch einmal steigen. Wenn aber alle Chinesen weit kommen, wird es für die anderen sehr schwer.

Wer ist Ihr Top-Favorit im Herren-Einzel, wer könnte für eine Überraschung sorgen?

Die drei ersten der Weltrangliste - Wang Liqin, Ma Lin und Wang Hao - sind sicher auch die großen Favoriten auf den WM-Titel. Gefährlich sind aber auch die anderen Chinesen, wie etwa der Routinier Kong Linghui. Dahinter gibt es eine ganze Reihe von Spielern, die Außenseiterchancen haben. Neben dem Olympiasieger Ryu sind das die erfahrenen Europäer wie Europameister Vlaimir Samsonov, Weltmeister Werner Schlager, Jean-Michel Saive oder der Grieche Kalinikos Kreanga. Aber auch jüngere, hungrige Spieler wie Michael Maze, Adrian Crisan oder eben Timo Boll haben gute Aussichten.

Was erwarten Sie von den jungen Spielern im deutschen Team, wie Bastian Steger und Christian Süß?

Christian und Bastian haben in Aarhus beide sehr gute Leistungen gezeigt. Leider hat es noch nicht ganz gereicht, um am Ende gegen die Top-Spieler zu bestehen. In ihrem Verein haben beide nach der EM überzeugt, das stimmt uns optimistisch. Wir hoffen, dass die beiden in Shanghai den einen oder anderen Top-Spieler schlagen können und so den Sprung auf ein höheres Spielniveau schaffen.

Im Damen-Bereich ist der Nachwuchs noch lange nicht so weit. Haben Sie deswegen nach der EM den Kader noch einmal umgebaut und mit Nicole Struse und Elke Wosik zwei erfahrene Spielerinnen nachnominiert?

Wir haben immer gesagt, dass wir den Umbruch im Damen-Tischtennis wollen - allerdings nur, wenn die Leistungen dies rechtfertigen. Nach Aarhus kann man sagen, dass dies für einige der jüngeren Spielerinnen nicht gilt. Wir waren vier Mal im Viertelfinale vertreten und daran hatten Elke und Nicole entscheidenden Anteil. Daher war es keine Frage für uns, dass die beiden mit nach Shanghai fahren.

Trotz starker Kritik nach seinem schwachen Abschneiden bei der EM haben Sie auch Jörg Rosskopf für die WM nominiert. Was hat den Ausschlag für ihn gegeben?

Zum einen spielt er ein gutes Doppel mit Lars Hielscher, zweitens wollen wir ihm die Chancen geben, sich für das Abschneiden in Aarhus zu rehabilitieren. Und nicht zuletzt tut er der Mannschaft gut. Mit seiner Erfahrung und Einstellung ist er eine wichtige Führungsperson für die Jungen.

Interview: Ralf Drescher

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