Vor vier Jahren im Medaillenspiegel noch unter ferner liefen
Der rasante Aufstieg der Alpenrepublik

Hinter den dunklen Wolken, die über Österreichs Olympia-Team liegen, blitzen jede Menge Medaillen. Der deutsche Nachbar darf trotz der Doping-Schlagzeilen bereits jetzt seine erfolgreichsten Winterspiele feiern.

HB TURIN. Bis Mittwochmorgen hatten die Asse um Michaela Dorfmeister und Felix Gottwald bereits acht Mal Gold, fünf Mal Silber und drei Mal Bronze gewonnen. "Frei di, frei di, golden glänzen die Berge", tönte es am Mittwoch bei Hitradio Ö3 nach der Melodie von "Heidi". Hin- und hergerissen ist Österreich dieser Tage. "Irre Spiele: Wieder Razzia, wieder Gold", titelte das Boulevardblatt "Kurier". In Salt Lake City vor vier Jahren noch Zehnter im Medaillenspiegel, kämpft Felix Austria mit seinen 8,2 Millionen Einwohnern nun sogar auf Augenhöhe mit dem Nachbarn Deutschland (82 Millionen) um die Vormachtstellung.

Trotz der Rivalität hat sich Georg Hackl als deutsch- österreichischer Grenzgänger entpuppt: Der dreimalige Rodel- Olympiasieger schaute im Österreich-Haus in Sestriere vorbei - allerdings nicht um Werksspionage zu betreiben: Der 39-Jährige warb für seine Kandidatur für die Athletenkommission. Sogar im Rennrodeln war der österreichische Doppelsitzer mit Andreas und Wolfgang Linger an den erfolgsverwöhnten Nachbarn vorbeigezogen. "Ich bin sehr glücklich, dass wir die Deutschen geschlagen haben. Die Rivalität zwischen uns ist schon sehr groß", sagte Wolfgang Linger nach dem Triumph über die Weltmeister André Florschütz und Torsten Wustlich.

Im Biathlon schossen die Deutschen sauber und die Österreicher Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner konnten nach der Razzia in ihrem Quartier gar nicht schnell genug davonlaufen. Als Perner immer tiefer im Doping-Skandal versank, wurde Ricco Groß richtig sauer. Der 35- Jährige war 2002 in Salt Lake City im Sprint hinter Perner Vierter geworden. "Wenn er einen Funken Anstand hat, kommt er nach Ruhpolding und bringt mir meine Medaille vorbei", schimpfte Groß.

Bei den Alpinen ist das Team Austria den Vertretern des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) meilenweit enteilt und längst im Geschwindigkeits- und Siegesrausch. "Wir wollen auf Jahre hinaus die Großmacht im Skisport bleiben", kündigte Alpin-Chef Hans Pum an. "Dass die Österreicher so stark sind, überrascht mich nicht. Die sind auch teilweise brutal unterschätzt worden", meinte der deutsche Alpin-Cheftrainer der Damen, Wolfgang Maier.

Im Skispringen haben nicht nur die Überflieger um Thomas Morgenstein die einstigen DSV-Adler um Martin Schmitt gerupft. Und in der Nordischen Kombination, wo bei der WM in Oberstdorf noch Ronny Ackermann der große Held war, hatten die Deutschen mit Georg Hettich zwar den besseren Start. Doch Österreich konterte mit Mannschafts- Gold und dem Olympiasieg für Felix Gottwald im Sprint.

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