sonstige Sportarten
Warnecke krönt seine Karriere

Mark Warnecke ist der älteste Weltmeister aller Zeiten. Der 35-Jährige hat bei der Schwimm-WM in Montreal die Gold-Medaille über 50m Brust geholt. Der Essener selbst bezeichnet den Sieg als I-Tüpfelchen seiner Karriere.

Im zarten Alter von 35 Jahren hat Mark Warnecke bei der Schwimm-WM in Montreal Gold über 50m Brust geholt und avancierte damit zum ältesten Weltmeister aller Zeiten. "Das ist das I-Tüpfelchen meiner Karriere. Das muss ich selbst erstmal verarbeiten", freut sich der Essener.

Die Erfahrung siegt

Kurze Zeit später sprudelte es dann aus ihm heraus. "Das war ein Sieg der Erfahrung. Ich habe es geschafft, meine Leistung auf den Punkt genau ins Wasser zu bringen", erklärte Warnecke. Auf der Ile St. Helene hatte er sich auch vom plötzlich einsetzenden schlechten Wetter nicht verunsichern lassen. "Die Kälte war ein Nachteil, weil bei mir das Rheuma-Verhalten natürlich eher einsetzt als bei einem 20-Jährigen", dozierte der Mediziner schmunzelnd.

Ausschlaggebend für den Gold-Coup im hohen Schwimmer-Alter war für Warnecke das Abspecken um 18 auf 98kg Kampfgewicht innerhalb eines halben Jahres: "Das war mit Sicherheit der entscheidende Faktor. Außerdem hätte ich ja sonst gar nicht auf die Startblöcke gepasst - die werden ja immer zierlicher."

Diät machte Sieg erst möglich

Weihnachten hatte sich der Essener dazu durchgerungen, seine Ernährung rigoros umzustellen. "Da hatte ich die Wahl, mir eine neue Kollektion anzuschaffen oder drastisch abzunehmen. Zum Glück habe ich mich für die zweite Möglichkeit entschieden", erzählte der Olympia-Dritte von 1996 in Atlanta, der im Vorjahr die Qualifikation für Athen verpasst hatte. Mit Hilfe einer speziellen Diät purzelten erst die Pfunde und dann die Zeiten.

Nun will auch DSV-Sportdirektor Ralf Beckmann diese Diät ausprobieren. "Die will ich am eigenen Leib testen", sagte der 58-Jährige, der Warnecke in den höchsten Tönen lobte: "Mark ist eine Ausnahme-Erscheinung, ein verrückter Hund, wie ein guter alter Wein. Sein Erfolg hier überstrahlt alles." Für Beckmann war es "ein Rennen aus einem Guss", das auf der Tribüne die deutsche Mannschaft samt der zurückgetretenen Franziska van Almsick in Begeisterung versetzte.

Warnecke will nichts von Rücktritt wissen

Im Ziel blieb die Uhr bei 27,63 stehen. Acht Hundertstel hatte Warnecke Vorsprung vor dem US-Amerikaner Mark Gangloff, 15 vor dem Japaner Kosuke Kitajima. Als die beiden 23-Jährigen Warnecke bei der Siegerehrung einrahmten, wirkten sie fast ein bisschen wie seine Söhne. Die Anzahl seiner Züge bis zum Gold hat der sonst so perfekte Analytiker Warnecke diesmal gar nicht gezählt: "Brustschwimmen ist sowieso eine komplizierte Disziplin, die ich immer noch nicht ganz begriffen habe. Ich weiß nur, dass es 50m waren."

Von Rücktritt will Warnecke noch nichts wissen. "Es macht mir Spaß, deshalb mache ich weiter. Wie lange, weiß ich nicht. Ich halte es wie Michael Schumacher in der Formel 1, der legt sich auch nicht fest", sagte Warnecke, der 2001 in Fukuoka als Fünfter sowie vor zwei Jahren in Barcelona als Vierter auf der Sprintstrecke knapp an einer WM-Medaille vorbei geschwommen war.

Anerkennung der Kollegen ist groß

"Dieser Triumph von Mark ist ein Wahnsinn", meinte Antje Buschschulte, die zuvor mit Silber in der 4x100m-Freistilstaffel und über 100m Rücken die ersten beiden Medaillen des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) in Kanada gewonnen hatte. Warneckes Rennen erlebte die Magdeburgerin gemeinsam mit Weltrekordlerin Janine Pietsch (Ingolstadt) in der Mixed-Zone, nachdem Buschschulte (28,90) als Fünfte und Pietsch (28,93) als Sechste ins Finale über 50m Rücken eingezogen waren.

Das schaffte auch Annika Mehlhorn (Baunatal) als Achte in 2:10,28 Minuten über 200m Schmetterling. Der 20 Jahre alte Helge Meeuw belegte über die gleiche Distanz im Endlauf Rang sieben und verpasste in 1:57,67 den anvisierten 19 Jahre alten Uralt-Rekord von Michael Groß deutlich.

Hacket holt Weltrekord über 800m Freistil

Für den vierten Weltrekord in Montreal sorgte Grant Hackett in 7:38,65 über 800m Freistil, er holte sich damit seinen zweiten Titel. Der Australier torpedierte die vier Jahre alte Bestmarke seines Landsmannes Ian Thorpe, der nach Athen zurzeit pausiert, um 51 Hundertstel.

Am Sonntag kann Hackett noch Gold über 1500m Freistil holen. Für den 25-Jährigen wäre es neben zwei Olympiasiegen der vierte WM-Titel hintereinander über diese Strecke. Das hat noch kein Schwimmer geschafft.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%