Warum die Tour de France trotz Lance Armstrongs Überlegenheit noch sehenswert ist
Spannend bis zuletzt

Heute steht mit dem Col d’Aubisque der letzte schwere Berg dieser Tour de France an. Mit Angriffen auf das Gelbe Trikot ist aber nicht mehr zu rechnen. Doch es gibt gute Gründe, warum die Tour de France trotz Lance Armstrongs Überlegenheit noch sehenswert ist.

BERLIN. Heute steht mit dem Col d?Aubisque der letzte schwere Berg dieser Tour de France an. Doch nach dem Gipfel geht es bis zum Ziel noch siebzig Kilometer bergab, mit Angriffen auf das Gelbe Trikot von Lance Armstrong ist deshalb nicht mehr zu rechnen. Die Herausforderer scheinen sich nach den schweren Etappen in den Pyrenäen mit dem siebten Tour-Sieg des US-Amerikaners abgefunden zu haben, beim Einzelzeitfahren am Samstag geht es nur noch um die Plätze hinter Armstrong. Das Zeitfahren am vorletzten Tag ist eine Stärke von Jan Ullrich, er kann sich berechtigte Hoffnungen machen, noch einen Platz auf dem Podium zu erreichen.

Momentan ist Ullrich Vierter, 2:49 Minuten hinter dem Dänen Mickael Rasmussen und 3:12 Minuten hinter Ivan Basso. Der Italiener hat sich im Zeitfahren stark verbessert, er wird nicht so leicht einzuholen sein. Doch Bergspezialist Rasmussen verlor beim 19 Kilometer langen Zeitfahren am ersten Tag der Tour mehr als zwei Minuten auf Ullrich, obwohl der einen Tag nach seinem Trainingssturz eine für seine Verhältnisse schwache Leistung zeigte. Am Samstag ist die Strecke wesentlich länger, 55,5 Kilometer. Ullrich will sich aber nicht nur auf seine Zeitfahrkünste verlassen. "Rasmussen wird dort Flügel bekommen", sagt T-Mobile-Teammanager Olaf Ludwig. "Wir müssen ihn vorher angreifen."

Wenn er sich gut fühlt, will Ullrich vielleicht heute schon Rasmussen attackieren. In den Tagen danach stehen weniger schwere Etappen auf dem Programm, deren welliges Profil Ausreißern entgegenkommt - oder den Sprintern bei einer Massenankunft. Denn der Kampf um das Grüne Trikot des besten Sprinters ist im Gegensatz zu dem um das Gelbe Trikot und dem um das des besten Bergfahrers, das wohl Rasmussen gewinnen wird, noch längst nicht entschieden.

Drei Fahrer kämpfen noch um das begehrte Trikot. Auf den Flachetappen der ersten Tour-Woche war der Belgier Tom Boonen der Schnellste, er musste wegen der Folgen eines Sturzes aber inzwischen aufgeben. Das Grüne Trikot trägt seitdem der Norweger Thor Hushovd. Knapp hinter ihm liegen die Australier Stuart O?Grady und Robbie McEwen, der bei dieser Tour bereits dreimal als Erster ins Ziel kam. Er führt die Wertung nur deshalb nicht an, weil er im Sprint der dritten Etappe O'Grady behindert hatte und dafür in der Tageswertung ans Ende des Feldes gesetzt wurde.

Weil keine deutschen Sprinter um den Sieg kämpfen, wird die Tour erst am Samstag beim Einzelzeitfahren wieder für hohe Einschaltquoten sorgen. Vor zwei Jahren, als Jan Ullrich nur knapp hinter Lance Armstrong lag, verfolgten mehr als neun Millionen Fans die Übertragung. In diesem Jahr waren sechs Millionen Zuschauer dabei, als Jens Voigt für einen Tag das Gelbe Trikot eroberte, fünf Millionen sahen live die erste Etappe in den Alpen.

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