Weiter in gelb
Gontschar hat niemand auf dem Zettel

Obwohl Sergej Gontschar schon lange im Geschäft ist, ist sein Gesicht eher unbekannt. Den Gesamtsieg traut man dem Tour-Spitzenreiter von T-Mobile kaum zu. Trotzdem sollte man den Giro-Zweiten nicht unterschätzen.

Solange Sergej Gontschar unauffällig im Tour-Peloton mitfuhr, war die exakte Schreibweise seines Namens nicht so wichtig. Doch nun, da er das Gelbe Trikot trägt, wollen es alle genau wissen: "Da gibt es unterschiedliche Meinungen: Manche schreiben mich mit G, manche mit H - jeder wie er mag", erklärt der Ukrainer freundlich. Honchar stehe in seinem Pass, in anderen Dokumenten jedoch Gontschar - den deutschen Transkriptions-Regeln folgend. "Ich hatte deshalb sogar schon Probleme mit dem Zoll", berichtet der T-Mobile-Fahrer schmunzelnd.

Doch egal wie geschrieben, wichtig ist ihm derzeit sowieso nur, dass sein Name ganz oben im Gesamtklassement steht. Und das noch möglichst lange: "Es war mein Traum, einmal das Leadertrikot der Tour zu tragen. Nun möchte ich jeden Tag in Gelb genießen", sagt der 36-Jährige, der die Tour seit dem Gewinn des Zeitfahrens anführt.

"Man soll ihn nicht unterschätzen"

Obwohl schon so lange im Geschäft, ist der Zeitfahr-Weltmeister von 2000 ein eher unbekanntes Gesicht geblieben, den Tour-Gesamtsieg traut ihm kaum jemand zu. "Man sollte ihn nicht unterschätzen, immerhin war er schon mal Zweiter im Giro", meint hingegen Teamchef Olaf Ludwig, der Gontschar vor dieser Saison vom aufgelösten Team Domina Vacanze holte.

Die Verpflichtung stieß anfänglich auf Unverständnis. Nicht nur wegen seines fortgeschrittenen Alters, auch wegen Doping-Gerüchten aus früheren Jahren. 1999 war er wegen überhöhten Hämatokrit-Wertes von der Tour de Suisse ausgeschlossen worden. Zwei Jahre später wurde er von seinem damaligen Team Liquigas suspendiert, als er zu den Verdächtigen des Giro-Skandals 2001 gehörte. Doch die Vorwürfe erhärteten sich nicht.

Größten Erfolge beim Giro

Beim Giro feierte der Wahl-Italiener mit Wohnsitz nahe Vicenza in der Region Venetien auch den Großteil seiner Erfolge. Neben fünf Etappensiegen stehen für ihn ein zweiter (2004), ein vierter (2001) und ein sechster Gesamtrang (2005) zu Buche. Die Tour kennt er dagegen kaum. "Ich bin sie nur einmal 2002 gefahren und weiß fast nichts über die Pyrenäen." Vor der ersten Bergetappe am Mittwoch von Cambo-les-Bains nach Pau machte er sich deshalb erst einmal beim Teamkollegen Giuseppe Guerini schlau.

Die größten Unterschiede zwischen Giro und Tour hat Gontschar allerdings schon ausgemacht. "Das ganze Rennen hier ist größer und der Druck ist höher. Deshalb verlaufen die Etappen auch nervöser." Eigentlich gar nichts für den Gemütsmenschen, der in der Kleinstadt Rovno im Nord-Westen der Ukraine aufgewachsen ist. An Italien, wo er in den vergangenen zehn Profijahren für acht verschiedene Rennställe fuhr, schätzt er vor allem die Lebensart: "Ich fühle mich dort sehr wohl und möchte nach Ende der Karriere in der Gegend bleiben."

Mit Lebensgefährtin Maria will er sich dort in naher Zukunft ein Haus kaufen. Die Italienerin ist auch Gontschars größter Fan. "Sie sammelt alle Trikots, die ich gewonnen habe. Das erste Gelbe bringe ich ihr auch mit", erzählt er und hofft, dass noch ein paar "für Verwandte und Freunde" hinzukommen.

© SID

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