Weltreiterspiele in Aachen
Fest der Superlative im Mekka des Reitsports

Laut Schirmherrin Angela Merkel soll es ein "unvergessliches Erlebnis" werden. Neben der Bundeskanzlerin freut sich auch Dosb-Präsident Thomas Bach auf die "WM einer faszinierenden Sportart": Die ersten Weltreiterspiele in Deutschland laden ab heute für 14 Tage zum Fest der Superlative ins Mekka des Reitsports. "Das wird für Aachen das größte Ereignis seit Karl dem Großen", sagte Klaus Pavel vom veranstaltenden Aachen-Laurensberger Rennverein (Alrv).

500 000 Besucher erwartet

500 000 Besucher werden erwartet, 150 000 davon aus dem Ausland. 800 Reiter und 1 000 Pferde aus 61 Nationen kämpfen in sieben Disziplinen (16 Titel) auf der für 18 Mill. Euro modernisierten Reitsportanlage um das Rekordpreisgeld von 1,4 Mill. Euro. Pavel: "Wir werden Deutschland sechs Wochen nach der Fußball-WM ein zweites Mal als begeisterungsfähige Sportnation präsentieren." Und als eine erfolgreiche. "Wir wollen am Ende die Nationenwertung gewinnen", sagt Reinhard Wendt, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees (Dokr).

"Aachen ist das Ereignis im Reitsport schlechthin", schwärmt Ludger Beerbaum. Für den den viermaligen Olympiasieger könnte Aachen jedoch zum Flop werden. Noch muss der 42-Jährige um seinen Platz in der vierköpfigen Springreiter-Equipe zittern. Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) und Marcus Ehning (Borken) sind gesetzt. "Die Entscheidung fällt vor unserer Ankunft in Aachen am 27. August", erklärte Bundestrainer Kurt Gravemeier.

In der Dressur haben die Gastgeber seit 1970 alle Mannschafts-Titel bei einer WM gewonnen. "Und auch diesmal sehe ich uns vorne, weil wir so viele starke Reiter haben", sagt Bundestrainer Holger Schmezer. Allerdings mussten zwei Rückschläge verdaut werden. Zunächst fiel der deutsche Meister Klaus Husenbeth (Sottrum) wegen einer Zerrung seines Pferdes Piccolino aus, dann zog sich am Donnerstag Isabell Werths Top-Pferd Warum nicht eine Prellung des Fesselkopfes zu und fällt aus. Die viermalige Olympiasiegerin sattelt nun den ebenfalls nominierten Satchmo.

Bettina Hoy will Revanche für Olympia

In der Vielseitigkeit will die deutsche Mannschaft um die ehemalige Europameisterin Bettina Hoy (Gatcombe/England) Revanche für die aberkannte Goldmedaille von Athen 2004 nehmen. Damals sorgte ein Formfehler von Hoy für die tragische Wende. "Unser Vorteil ist, dass wir uns so lange kennen", sagt die EM-Dritte Ingrid Klimke (Münster), die mit Sleep Late ebenso im Einzel zu den Medaillenkandidaten zählt wie Hoy mit Ringwood Cockatoo.

Angesichts der Dauer von 14 Tagen dürften auch die vier nicht-olympischen Disziplinen ins Interesse der Öffentlichkeit rücken. Die Distanzreiter eröffnen am Montag mit ihrem Rennen über 160km das WM-Programm. Nach Voltigieren und Vierspännerfahren beschließen die Westernreiter (Reining) gemeinsam mit den Springreitern am Sonntag (3. September) das Programm.

Um die Gefahr eines befürchteten Doping-Falls einzugrenzen, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN erstmals bei einem Turnier dieser Größenordnung für alle deutschen Pferde Doping-Tests angeordnet. "Erneute Doping-Vorfälle wären für den Verband eine große Belastung. Sponsoren- und Fördergelder wären in Gefahr", sagt Verbands-Veterinär Dr. Michael Düe.

Großes Interesse zeigt das Fernsehen an der Reit-WM. ARD, ZDF und das Dritte Programm berichten zur besten Sendezeit aus der Soers. Allein der Medienpartner WDR überträgt 1 700 Minuten: "Wer alles aufzeichnen möchte, braucht einen großen Einkaufswagen voll mit Videokassetten", sagte Sabine Hartelt vom federführenden WDR. Auch das Ausland ist auf den WM-Zug aufgesprungen. In über 140 Ländern werden Bilder von der WM zu sehen sein.

In finanzieller Hinsicht müssen die Aachener noch ein kleines Loch stopfen. "Uns fehlen noch rund 450 000 Euro im Etat", verriet Pavel Mitte der Woche. Bis Ende der Spiele soll das Loch aber gestopft sein und der 39,3 Millionen-Etat ausgeglichen werden. "Dann hätten wir die ersten Weltreiterspiele, die mit einer schwarzen Null abrechnen würden", so Pavel.

© SID

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