Weltverband erbost über Absage
WM-Riesenslalom fällt TV-Streik zum Opfer

Die Absage des Herren-Riesenslaloms bei den Ski-Weltmeisterschaften in Bormio hat ein Jahr vor Olympia in Turin erneut ein schlechtes Licht auf Wintersportveranstaltungen in Italien geworfen. Wegen eines Streiks beim staatlichen Fernsehsender RAI fiel am Mittwoch erstmals in der WM-Geschichte ein Rennen aus, weil die verantwortliche TV-Anstalt die Übertragung nicht sicherstellen konnte.

HB BORMIO. "Das ist unangenehm, vor allem im Hinblick auf Turin", sagte Gian-Franco Kasper, der Präsident des Ski-Weltverbandes FIS. Nach vorläufiger Planung soll das Rennen am Donnerstag (09.30/13.30 Uhr) nachgeholt werden.

Trotz besten Wetters mussten die Athleten eine halbe Stunde vor dem Start unverrichteter Dinge abseits der "Stelvio"-Piste wieder hinabfahren. Im Zielraum kam es kurz nach der Absage zu Protesten einiger Zuschauer, die Leuchtraketen auf die Piste schossen und durch Polizisten beruhigt werden mussten. "Ich bin enttäuscht, wütend und frustriert. Alles war bereitet, 156 Athleten wollten fahren, Fan-Clubs waren extra für dieses Rennen angereist", sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis.

Erste Anzeichen für einen Streik hatten die WM-Organisatoren und die FIS bereits am Dienstagabend erhalten. Daraufhin versuchte die Europäische Broadcasting Union (EBU) eine TV-Produktion ohne die RAI auf die Beine zu stellen. Eine kurzfristige Kooperation der Sender aus Deutschland (ZDF), Österreich (ORF) und der Schweiz (SRG) scheiterte aber an logistischen Problemen. Da die Wahrscheinlichkeit einer pannenfreien Übertragung laut Kasper unter 50 % lag, entschloss sich die FIS zur Absage. "Das ist weder ein Fehler der FIS noch des OK. Ein Streikrecht gibt es in jedem demokratischen Land. Das hat nichts mit der WM zu tun", sagte Kasper.

Bis Donnerstag soll eine eigene Produktion ohne die RAI möglich sein. Ein Rennen ohne TV-Übertragung hätte eventuell schwer wiegende finanzielle Folgen gehabt. Allein für die Titelkämpfe in Bormio und die anschließende nordische WM in Oberstdorf hatte die EBU etwa 45 Mill. ? an die FIS gezahlt. Inwiefern die FIS oder die WM- Organisatoren ihren TV-Partner EBU für finanzielle Schäden haftbar machen können, ist vorerst unklar. Grund für den Streik der Aufnahmetechniker waren Vertragsstreitigkeiten mit der RAI.

Die Absage trifft die FIS in einer schwierigen Zeit. Interne Querelen um die Verträge der Renndirektoren, Kritik an der Marketing- Strategie und mehrfaches Chaos bei der Zeitmessung im Weltcup hatten den Verband in die Defensive gedrängt. Auch die WM war angesichts fehlender Atmosphäre bislang kein großer Erfolg gewesen.

Ähnlich unangenehm ist die Rennverschiebung für die Organisatoren der Winterspiele 2006 in Turin. Ein Jahr und einen Tag vor der Eröffnungsfeier kommen nach vielen Pannen bei Planung und Testwettbewerben erneute Negativschlagzeilen nicht gelegen. "Dieses unverantwortliche Verhalten der RAI beschädigt das Ansehen Italiens. Gerade dann, wenn die ganze Welt auf uns schaut. Solche Dinge passieren nur in Italien, sagen jetzt die Leute", meinte WM- Generalsekretär Maurizio Gandolfi.

Von Seiten des Olympia-OK (TOROC) war man bemüht, möglichen Vergleichen zu widersprechen. "So etwas kann bei Olympia nicht passieren. Wir haben eine eigene Produktionsfirma innerhalb unseres Organisationskomitees. Natürlich ist es ein Schaden für das Image Italiens", sagte TOROC-Pressechef Giuseppe Gattino der dpa.

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