Wettskandal schlägt weiter Wellen: DFB-Sportgericht erwartet Prozesswelle

Wettskandal schlägt weiter Wellen
DFB-Sportgericht erwartet Prozesswelle

Dem deutschen Fußball droht nach dem Grundsatzurteil des DFB-Sportgerichts im Wett- und Betrugsskandal eine Flut von Spielwiederholungen und weiteren Prozessen.

HB FRANKFURT/MAIN. Denn das erste Urteil des DFB-Sportgerichts, welches das vom inhaftierten Robert Hoyzer mutwillig verpfiffene Spiel am Dienstag aus der Wertung nahm und eine Wiederholung anordnete, wird Beispielcharakter für die weiteren Einspruchs-Verfahren im Manipulationsskandal haben. "Es wird Leitbild für die anderen Verfahren sein", glaubt auch der Vorsitzende des DFB - Kontrollausschusses, Horst Hilpert, der die Spielwiederholung als "goldrichtig" bewertete.

Zweitligist LR Ahlen erwägt nach der Neuansetzung seines manipulierten 1:0-Siegs über den SV Wacker Burghausen bereits den Gang vor das DFB-Bundesgericht. "Ich gehe davon aus, einfach deswegen, weil wir uns keine Fehler vorzuwerfen haben. Im wirklichen Leben wäre so etwas eine Farce gewesen, aber das zählt beim DFB ja wohl nicht", sagte LR-Präsident Helmut Spikker auf der Internetseite des Vereins.

Doch statt einem raschen Ende könnte es zu einer endlosen Einspruchs- und Prozesslawine kommen. Dabei sind die Voraussetzungen für die Neuansetzung eines verschobenen Spiels relativ klar: Es muss die Verabredung zur Manipulation nachweislich vorliegen - und diese auch erfolgreich umgesetzt worden sein. So hatte der Sportgerichts- Vorsitzende Rainer Koch zumindest sein Urteil am Dienstag nach dem dreieinhalbstündigen Musterprozess in der DFB-Zentrale in Frankfurt begründet.

Folglich wäre die Neuansetzung der Bundesliga-Begegnung 1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg (3:0) vom 27. November 2004 unwahrscheinlich. Denn eine entsprechende Vereinbarung von Schiedsrichter Jürgen Jansen, der vom DFB derzeit freigestellt ist, mit Wettkunden liegt nach derzeitigen Erkenntnissen nicht vor. Anders im Fall von Zweitliga-Spitzenreiter MSV Duisburg, den es wohl am härtesten treffen kann. Denn auch gegen dessen Siege am 26. September daheim mit 1:0 gegen den Tabellendritten SpVgg Greuther Fürth, der am Mittwoch die Wiederholung aller von Hoyzer geleiteten Spiele in dieser Saison forderte, sowie am 3. Dezember mit 3:0 auswärts gegen den Karlsruher SC, haben die unterlegenen Kontrahenten Protest eingelegt. Und: Schiedsrichter Dominik Marks wird bereits Last gelegt, "mit Kunden von Wettbüros Verabredungen zur Manipulation" der Partie KSC gegen Duisburg getroffen zu haben.

"Wichtig ist, dass wir eine Linie für alle Verfahren durchziehen. Wir versuchen aber, uns von Fall zu Fall vorzuarbeiten, um gerecht die jeweiligen Einspruchsfälle aufarbeiten zu können", stellte der Sportgerichts-Vorsitzende Koch klar. Sollten beide Duisburger Spiele neu angesetzt werden und die "Zebras" verlieren, könnte der Traum von der Rückkehr ins Oberhaus platzen. Dagegen könnte Verfolger 1. FC Köln, der gegen die Wertung des 2:2 bei Rot-Weiß Essen am 22. Oktober Protest eingereicht hat, im Falle einer Neuansetzung seine Aufstiegshoffnungen weiter nähren.

Doch was ist mit den Spielen, in denen das zuvor verabredete Resultat nicht zu Stande kam - so wie beim 1:3 der SpVgg Unterhaching gegen den 1. FC Saarbrücken? "Ein gescheiterter Manipulationsversuch kann nicht dazu führen, dass ein Spiel wiederholt wird. Und bei den Schilderungen von Hoyzer zu diesem Spiel kann man sich ja nur schief lachen", meinte der Kontrollausschussvorsitzende Hilpert.

Betroffen sind auch vier Spiele der Regionalliga Nord sowie zwei Pokalspiele. "Wir werden so schnell wie möglich und spät als nötig Entscheidungen fällen", kündigte der Sportgerichts-Vorsitzende an. Eile ist allerdings auch geboten. In rund drei Monaten enden die Spielzeiten. Neue Verhandlungstermine sind noch nicht bekannt.

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