Wie Christel Cranz 1936 in Garmisch 19 Sekunden im Slalom noch aufholt
Trotz Sturz noch Olympiasiegerin

Kaum eine Skiläuferin hat ihre Konkurrenz jemals so beherrscht wie Christl Cranz. Zwischen 1934 und 1941 gewann die Schwarzwälderin 14 Weltmeistertitel. Das ganze Ausmaß ihrer Dominanz zeigt sich aber 1936 bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen.

TURIN. Kaum eine Skiläuferin hat ihre Konkurrenz jemals so beherrscht wie Christl Cranz. Zwischen 1934 und 1941 gewann die Schwarzwälderin 14 Weltmeistertitel in Abfahrt, Slalom und Kombination. Das ganze Ausmaß ihrer Dominanz zeigt sich aber 1936 bei den Olympischen Spielen in Garmisch- Partenkirchen.

Nach ihren Erfolgen in den Jahren zuvor geht Christl Cranz auch als große Favoritin in die Kombination aus Abfahrt und zwei Slalomläufen, die damals als einziger alpiner Wettbewerb ausgetragen wurde. Und schon auf der Abfahrt macht die Deutsche ernst, überholt sogar die Britin Jeannette Kessler, die eine Minute vor ihr gestartet war.

Doch dann der Schock: Cranz stürzt in eine Schneegrube und verliert viel Zeit, ehe sie sich auf die Piste zurückgearbeitet hat. Im Ziel ist die Goldmedaille für die Favoritin in weite Ferne gerückt. Mit einer Zeit von 5 Minuten und 23 Sekunden liegt sie auf Platz sechs - rund 19 Sekunden hinter der führenden Norwegerin Laila Schou-Nilsen.

Doch mit zwei meisterhaften Läufen schafft Cranz noch das Unfassbare: das erste Olympia-Gold für Deutschland. Schou-Nilsen fällt sogar noch auf den dritten Platz zurück - hinter Käthe Grasegger, die unter dem Jubel der 35 000 Zuschauer Silber holt. Komplettiert wird das gute Ergebnis der Deutschen durch Franz Pfnür, der in der Kombination der Herren Gold holt. Doch die große Aufmerksamkeit gilt Christl Cranz, die vom NS-Regime mit Ehrungen überhäuft wird.

Nach dem Krieg verliert das Ex-Mitglied der Nationalsozialisten ihre Lehrstelle an der Universität Freiburg und eröffnet eine Skischule, die bis heute ihren Namen trägt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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