Wie deutsche Skispringer erstmals zu Gold im Mannschaftsspringen kommen: Harada zerbricht an Weißflogs Rekordsprung

Wie deutsche Skispringer erstmals zu Gold im Mannschaftsspringen kommen
Harada zerbricht an Weißflogs Rekordsprung

Wie die deutschen Skispringer bei den Olympischen Winterspielen von Lillehammer 1994 erstmals zu Gold im Mannschaftsspringen kommen.

TURIN. Jens Weißflog weiß, wann es Zeit ist, einem Gegner zu gratulieren. Der Oberwiesenthaler hat in seiner Skisprungkarriere alles erreicht: war Weltmeister, gewann die Vierschanzentournee und 1984 in Sarajevo olympisches Gold. Sein jüngster Coup: Bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer wiederholt Weißflog diesen Triumph auf der Großschanze. Im zweiten Durchgang entreißt er dem hohen Favoriten, dem Norweger Espen Bredesen, noch den Sieg. Dabei hat er nach dem ersten Sprung bereits mit 10,9 Punkten zurückgelegen.

Drei Tage später liegt auch die deutsche Mannschaft vor dem letzten Sprung beim Team-Wettbewerb in Lillehammer auf Platz 2. Doch der Rückstand auf die führenden Japaner beträgt sogar 55,2 Punkte. Noch zur Halbzeit hat die deutsche Mannschaft mit Hansjörg Jäkle, Christof Duffner, Dieter Thoma und Weißflog nur 0,8 Punkt zurückgelegen. Aber dann zogen die Japaner davon, vor allem nachdem Duffner bei seinem zweiten Sprung schon bei 108 Meter landete. Auch ein schöner Sprung von Dieter Thoma auf 128,5 Meter änderte nichts mehr an dem deutlichen Rückstand.

55,2 Punkte sind auch für einen Jens Weißflog zu viel. Er weiß vor seinem Sprung, dass es nur noch um Silber geht. Also tut er, was sich gehört, und gratuliert dem letzten Springer der Japaner, Masahiko Harada, zur Goldmedaille. Dann segelt er auf 135,5 Meter hinunter - der weiteste Sprung an diesem Tag. Nach seinem Sieg im Einzel hat er erneut eine große Leistung vollbracht.

Wie groß, das zeigt sich kurz darauf. Offenbar beeindruckt von der Leistung des Deutschen bekommt Harada auf seinem Flug früh Probleme und geht von der V-Stellung in den Gleitflug über. Der Japaner landet bei 97 Metern. Unten im Skistadion herrscht einen Augenblick Stille, dann springt Jens Weißflog samt Skiern in die Luft. Kurz danach sind Jäkle, Thoma und Duffner bei ihm. Während Harada ein Stückchen weiter traurig im Schnee kauert, bejubeln die Deutschen ihren Sensationssieg ausgelassen. Erstmals seit es Teamwettbewerbe im Skispringen gibt, hat eine deutsche Mannschaft Gold geholt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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