Wie die Eisschnellläuferin 1992 in Albertville Doppel-Olympiasiegerin wird
Die Festspiele der Gunda Niemann

Wie die Eisschnellläuferin 1992 aus den Winterspiele in Albertville die „Gunda-Festspiele “ macht.

SESTRIERE. Mit den Olympischen Spielen hat sie noch eine Rechnung offen: 1988 in Calgary war die Eisschnellläuferin Gunda Niemann bei ihrer Olympia-Premiere über 5 000 Meter aus einer Kurve geflogen und nur auf den siebten Rang gekommen. Seither hat sie alles gewonnen, was es auf dem Eis zu gewinnen gibt, darunter vier Europameister- und ein Weltmeistertitel. Fehlt nur ein Olympiasieg.

In Albertville 1992 bietet sich der 25-Jährigen, die erst mit 17 das erste Mal auf Schlittschuhen stand, zunächst über 3 000 Meter die Chance zur olympischen Wiedergutmachung. Auf ihrer Lieblingsstrecke ist die Deutsche Gold-Kandidatin. Für Aufsehen sorgte aber zunächst ihre Erfurter Freundin und Trainingskollegin Heike Warnicke. Sie besiegt die starke Ungarin Emese Hunyady und stellt mit 4:22,88 Minuten eine Bestzeit auf.

Aber so nervös Niemann vor dem Rennen wirkt, so zielsicher und entschlossen ist sie auf dem Eis. Von der ersten Zwischenzeit bei 200 Meter an liegt sie vor Warnicke, zur Halbzeit hat sie bereits einen Vorsprung von fast zwei Sekunden. Im Ziel ist eine weitere Sekunde dazugekommen. In 4:19,90 Minuten wird Niemann Olympiasiegerin - vor Warnicke und Hunyady. Die Goldmedaille der Erfurterin ist gleichzeitig die erste für Deutschland seit der Wiedervereinigung.

Und die Gunda-Festspiele von Albertville gehen weiter: Drei Tage später holt sie ihre zweite Medaille: Über 1 500 Meter muss sie sich lediglich der Berlinerin Jacqueline Börner geschlagen geben. Dafür landet sie über 5 000 Meter wieder auf dem obersten Treppchen. In einem beeindruckenden Rennen nimmt sie Warnicke, die erneut Silber gewinnt, sechs Sekunden ab. Die 19-jährige Berlinerin Claudia Pechstein vervollständigt den deutschen Triumph als Dritte.

Sechs Jahre später in Nagano wird Niemann endgültig zur "Gold-Gunda." Über 3 000 Meter holt sie ihren dritten Olympiasieg. Insgesamt kommt die Erfurterin auf sieben olympische Medaillen. Fast hätte sie diese Bilanz in Turin noch ausbauen können. Doch wegen Rückenproblemen musste sie im vergangenen Herbst ihre Karriere beenden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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