Wie Erhard Keller in Sapporo zum zweiten Mal zu Gold sprintete
In nur 39,44 Sekunden auf den Olymp

Wie Erhard Keller in Sapporo 1972 trotz zweier Fehlsstarts zum zweiten Mal zu Gold sprintete und damit als erster Deutscher einen Olympiasieg wiederholen konnte.

TURIN. Vier Weltrekorde hat er bereits aufgestellt, war Sprint-Weltmeister und Olympiasieger über 500 Meter. Anfang der Siebziger Jahre ist Erhard Keller aus Inzell der schnellste Eisschnellläufer der Welt. Und so gibt es für ihn auch bei den Winterspielen 1972 nur ein Ziel: die Goldmedaille auf seiner Spezialstrecke.

"Wenn ich in Sapporo verliere, dann war alles umsonst", hat er oft gesagt. Umsonst vor allem die Schinderei nach seinem Skiunfall in St. Moritz zwei Jahre zuvor, wo er einen schweren Schien- und Wadenbeinbruch erlitten hatte und seine Karriere fast hätte beenden müssen. Keller kämpfte sich zurück und nun läuft er im Makomanai-Eisstadion von Sapporo zum zweiten Mal um olympisches Gold.

Vier Jahre zuvor bei den Winterspielen in Grenoble war der Bayer seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hatte die 500 Meter vor dem Norweger Magne Thomassen und Richard McDermott aus den USA gewonnen. Und auch in Japan lässt der angehende Zahnarzt der Konkurrenz keine Chance. Selbst zwei Fehlstarts können seiner Konzentration nichts anhaben. Als es beim dritten Versuch klappt, läuft Keller die ersten Meter verhalten an. Doch diese Geschwindigkeit holt er in der letzten Kurve wieder heraus. Auf den letzten 100 Metern spielt der Deutsche seine Kraftreserven aus und läuft in 39,44 Sekunden ins Ziel - schneller ist bei Olympischen Spielen noch niemand gelaufen.

Mit dieser Zeit muss Keller nicht lange um den Sieg zittern: "Schon nach dem vierten Paar - dem Japaner Takayuki Hida und Valerij Muratov aus der Sowjetunion - war mir klar, dass ich gewonnen habe", sagt er. Muratov wird in 39,8 Sekunden Dritter, die Silbermedaille gewinnt der Schwede Hasse Börjes. Mit dem Triumph in Sapporo schafft Keller als erster deutscher Wintersportler die Wiederholung seines Olympiasiegs. Zu einem weiteren Anlauf auf Gold kommt es nicht: Zwar ist Keller auch 1976, als die Spiele in Innsbruck stattfinden, noch aktiv und noch in der Weltspitze dabei. Allerdings ist er zu dieser Zeit bereits ins Profilager gewechselt - und damit zu Olympia nicht zugelassen.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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