Wie Manfred Schnelldorfer 1964 in Innsbruck Gold gewinnt
Die Kür seines Lebens

Sinnvoll, gut ausgerechnet und ein bisschen kühl – wie Manfred Schnelldorfer bei den Olympischen Winterspielen 1964 in Innsbruck Gold gewinnt.

HB SESTRIERE. Manfred Schnelldorfer sitzt in der Kabine, als seine größten Konkurrenten auf dem Eis tanzen. Der junge Münchener geht als letzter an den Start und er fürchtet nur einen Sprung: Den Doppelaxel.

Doch dem baumlangen Eiskunstläufer gelingt bei den Olympischen Spielen 1964 in Innsbruck die Kür seines Lebens. Sie strotzt vor Schwierigkeiten und der 20-Jährige trägt sie herrlich musikalisch vor. Acht Doppelsprünge bietet er dem begeisterten Publikum und ausgerechnet der Doppelaxel gelingt ihm besonders schön. Der junge Münchener gewinnt Gold!

Architekt will er werden, dieser junge Student, der sich gerade erst an der Universität München immatrikuliert hat. Und wie ein angehender Architekt läuft er diese Kür: Sinnvoll, gut ausgerechnet und ein bisschen kühl. "Als Schnelldorfer vorgezeigt hatte, was er sich dachte, da war es keine Konstruktion des sozialen Wohnungsbau. Es war auch nichts Extravagantes und nichts Epochales. Es war zweckvolle Architektur in gediegener Ausführung", schrieb das Hamburger Abendblatt damals.

Schnelldorfer selbst ließ nach seiner erfolgreichen Kür die Technik nicht los: "Als mein Doppelaxel gleich zu Beginn klappte, lief ich ein wenig mehr auf Sicherheit", sagte er. Das konnte er auch getrost, denn da er der letzte Starter war, wusste er schon vor seinem Lauf: "Ich schaffe es mit meiner normalen Kür, die gut sein muss, doch nicht gewalttätig." Schnelldorfers größter Konkurrent, Alain Calmat, der drei Wochen vor den Spielen den 20-jährigen Deutschen noch besiegt hatte, war zuvor unter dem Druck zerbrochen.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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