Wimbledon 2013
Historischer Sieg für Andy Murray

Erstmals seit 77 Jahren hat ein Brite wieder in Wimbledon gewonnen. Andy Murray besiegte den Weltranglistenersten Novak Djokovic sensationell in drei Sätzen. Es ist der zweite Grand-Slam-Titel des Schotten.
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LondonAndy Murray warf den Tennisschläger beiseite, riss sich die weiße Mütze vom Kopf, ging in die Knie und küsste den Rasen. Die Zuschauer erhoben sich, selbst der grimmige Trainer Ivan Lendl lächelte und musste mehrmals schlucken. Um 17.31 Uhr Ortszeit stemmte Andrew Murray aus dem schottischen Örtchen Dunblane am Sonntag die begehrteste Henkeltrophäe seiner Sportart in die Höhe.

Endlich stillte der 26-Jährige die Sehnsucht der Briten nach einem der Ihren auf dem Wimbledon-Thron. 77 Jahre nach dem letzten britischen Sieg durch den legendären Fred Perry krönte sich Murray bei seinem Heim-Grand-Slam mit einem 6:4, 7:5, 6:4-Erfolg gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic aus Serbien zum König des ältesten und bedeutendsten Tennisturniers der Welt. Prompt beglückwünschte sogar die Queen den neuen Sporthelden von der Insel in einer „privaten Botschaft“, wie eine Sprecherin der Königin am Abend bestätigte.

„Es fühlt sich ein kleines bisschen anders an als letztes Jahr“, scherzte Murray bei der Siegerehrung. Vor einem Jahr stand er schon einmal in diesem Endspiel und musste sich dem Schweizer Roger Federer geschlagen geben. Diesmal aber brachen die Fans auf dem überfüllten Henman Hill auf dem Clubgelände in Jubelstürme aus, als Murray nach 3:09 Stunden seinen vierten Matchball nutzte und das Vereinigte Königreich in einen kollektiven Freudentaumel versetzte.

„Ich habe so gezittert, als ich die Matchbälle vergeben habe“, sagte Murray mit dem Siegerpokal in der Hand. „Ich habe einfach nur versucht, es irgendwie zu spielen. Ich habe es irgendwie geschafft“, sagte er. Als die ehemalige Weltklasse-Spielerin Sue Barker fragte, wie er die letzten Sekunden und den vierten Matchball erlebt habe, antwortete er: „Ich hab keine Ahnung, was passiert ist.“

Einen Tag nach der Finalniederlage von Sabine Lisicki gegen Marion Bartoli zeigte sich der nationale Hoffnungsträger im Gegensatz zur Berlinerin nervenstark. Die Last, die angesichts der historischen Bedeutung dieses Augenblicks auf seinen Schultern lag, schien Murray zu beflügeln und nicht zu lähmen. „Let's make history“ war auf mehreren Plakaten zu lesen. Bei den drei vergegeben Matchbällen sprang sogar Premierminister David Cameron auf.

Vor den Augen des britischen Regierungschefs und von IOC-Präsident Jacques Rogge wirkte Djokovic dagegen nach dem längsten Halbfinale der Wimbledon-Geschichte müde. Zwei Tage nach seinem kräftezehrenden Fünf-Satz-Halbfinale gegen den Argentinier Juan Martin del Potro fand der Serbe nicht ins Spiel, gab im zweiten Satz eine 4:1-Führung und im dritten Durchgang einen 4:2-Vorsprung noch aus der Hand.

Murray blieb am heißesten Tag der zwei wundersamen Wimbledon-Wochen auf dem kochenden Centre Court cool und feierte nach dem Olympiasieg und dem Titel bei den US Open 2012 seinen zweiten Grand-Slam-Erfolg. „Nach all den Merkwürdigkeiten und Verrücktheiten bei diesem Wimbledon wird das Herren-Finale doch so sein, wie es die meisten erwartet haben: die Nummer 1 Novak Djokovic gegen die Nummer 2 Andy Murray“, hatte die „New York Times“ geschrieben.

Titelverteidiger Roger Federer und Rafael Nadal waren längst draußen. Die Branchenbesten lieferten sich kein hochklassiges Match. Das Spiel lebte von der historischen Aufladung und dem Nervenkitzel ganz am Ende. Die Erben von Fred Perry waren bis zu diesem Sonntag alle gescheitert, Tim Henman viermal im Halbfinale. Am 7. Juli 2013 schlug endlich die Stunde von Andy Murray.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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