Winterspiele 2018
Letzte Runde im Milliardenpoker um Olympia

Die Vergabe der Olympischen Winterspiele im heißen Durban wird zur Zitterpartie. Sollte München den Zuschlag erhalten, müssen für das Ereignis Milliarden investiert werden. Der wirtschaftliche Nutzen ist umstritten.
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Köln/ MünchenIhren Elektro-Mini des Herstellers BMW parkt Katarina Witt mitten am Rollfeld des Münchener Flughafens. Sie trägt einen weißen Anorak von Adidas und posiert für die Fotografen vor der Flugzeugflotte der Lufthansa. Sie tut, was man von dem offiziellen Gesicht der Münchener Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 erwartet: Sie lächelt. Es ist Anfang Januar, die Temperaturen liegen knapp über null und für die Bewerbungsgesellschaft beginnt die heiße Phase im Kampf um die Olympischen Ringe. Zusammen mit einer Delegation rund um Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, ist Witt unterwegs nach Lausanne, dem Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), um die offiziellen Bewerbungsunterlagen abzugeben. Das wäre auch per Post oder E-Mail möglich gewesen, aber auf die schönen Bilder, mit denen sich die Sponsoren in Szene setzen konnten, wollte man nicht verzichten.

396 Seiten lang ist das Dokument, mit dem München die IOC-Funktionäre überzeugen möchte. Die entscheidenden Zahlen finden sich darin im Kleingedruckten. 3,38 Milliarden Dollar sollen die Winterspiele kosten, sollte München bei der Entscheidung des IOC, die heute am frühen Abend in Durban fällt, den Zuschlag erhalten. 1,5 Milliarden sollen direkt in die Organisation des Großereignisses fließen. Der Rest ist für Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Sportstätten vorgesehen - und wird überwiegend aus der Staatskasse bezahlt.

Für das IOC sind die Winterspiele auf jeden Fall ein Gewinn, unabhängig davon ob sie nach Pyoengchang, Annecy oder München vergeben werden: Selbst wenn die Organisatoren einen Verlust erwirtschaften, müsste der Steuerzahler dafür geradestehen. Doch lohnen sich die Winterspiele trotz der hohen Kosten und des finanziellen Risikos auch für das Gastgeberland? Münchens Oberbürgermeister Ude bejaht diese Frage mit großer Vehemenz, als er sich vor wenigen Wochen zum Interview mit Handelsblatt.com in einem Kölner Hotel einfindet. Er macht hier Zwischenstopp auf einer Reise nach London, wo er eine von vielen Olympia-Präsentationen vor Sportfunktionären abhalten will, um für seine Stadt zu werben.

Als Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft hat Ude in den vergangenen Monaten viel Zeit in die Kandidatur investiert. Platz für Zweifel an dem Erfolg von Winterspielen in seiner Stadt blieben dabei nicht: “München und ganz Bayern würden noch jahrzehntelang von den Olympischen Spielen profitieren”, schwärmt Ude. 1300 zusätzliche Wohnungen würde München erhalten, doch das sei nicht alles: “Wir würden nicht nur neue Wohnflächen im Olympischen Dorf bekommen, auch der Ausbau des S-Bahn-Systems würde sich dadurch beschleunigen. Für den Tourismus wäre Olympia jahrelang ein gewaltiger Auftrieb.”

Unterstützung erhält Ude dabei von dem Mainzer Professor für Sportökonomie Holger Preuß. Er hat mit Hilfe des Olympia-Sponsors Deloitte die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Olympischen Spiele untersucht, die von einem Zuschlag für München ausgehen würden. „Meine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt, dass die Winterspiele in München 2018 bedeutsame Geldströme nach Deutschland lenken werden“, sagt Preuß. Nach seinen Berechnungen würde die Ausrichtung der Winterspiele und der Paralympics über einen Zeitraum von 18 Jahren – 2010 bis 2028 – im Schnitt 162 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich nach Deutschland fließen lassen. Im besten Szenario lägen die Überschüsse bei 3,4 Milliarden Euro, im schlechtesten bei 1,7 Milliarden.

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