Wintersport Doping
IOC schließt sechs Österreicher auf Lebenszeit aus

Das Internationale Olympische Komitte (IOC) hat sechs österreichische Wintersportler wegen Dopings auf Lebenszeit von Olympia ausgeschlossen. Zu ihnen gehören die Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat hart durchgegriffen und sechs österreichische Teilnehmer an den Winterspielen von Turin 2006 wegen Dopings mit einer lebenslänglichen Olympia-Sperre belegt. Die Entscheidung der IOC-Exekutive gaben Präsident Jacques Rogge und sein "Vize" Thomas Bach am Mittwoch in Peking bekannt.

Das Gremium folgte damit dem Antrag der vom Tauberbischofsheimer Bach geleiteten Disziplinarkommission, der noch die Exekutivmitglieder Denis Oswald (Schweiz) und Sergej Bubka (Ukraine) angehören. Österreichs NOK und die betroffenen Athleten wurden um 12.30 Uhr Mesz per Fax informiert.

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie ist einstimmig gefallen", sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976. Das ungewöhnlich hohe Ausmaß der Strafe zeige, "wie ernst wir den Fall bewerten". Dieser Auffassung sei die 15-köpfige Exekutive gefolgt. Bach: "Sie hat damit das Ergebnis unserer umfangreichen Arbeit bestätigt."

Biathleten und Langläufer betroffen

Die in der IOC-Historie beispiellose Sanktion betrifft je drei Biathleten und Langläufer. Sie gelten des Besitzes und der gemeinschaftlichen Nutzung von Dopingmitteln als überführt und dürfen - ein Novum - in keiner Funktion bei künftigen Spielen mehr auftreten.

Es handelt sich um die Biathleten Wolfgang Perner, Jürgen Pinter und Wolfgang Rottmann sowie die nordischen Langläufer Roland Diethard, Johannes Eder und Martin Tauber. Das Verfahren gegen den ebenfalls unter Verdacht stehenden Langläufer Christian Hoffmann, Olympiasieger 2002, wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Vier Stunden vor Rogges Urteilsverkündung im Hotel Shangri-La hatte sich die Mozart-Stadt noch auf dem internationalen Sportkongress im Saal nebenan als Bewerber 2014 vorgestellt. Die Präsentation war die emotional überzeugendste, unmittelbar danach verließÖsterreichs NOK-Chef Leo Wallner Peking Richtung Heimat. Von den Vorgängen im angrenzenden Saal hatte Wallner zum Zeitpunkt seiner Abreise noch nichts gewusst.

Ermittlungen dauern an

Nun tickt die Zeitbombe weiter, denn die IOC-Ermittlungen dauern an. Für Anfang Mai sind mehrere Vertreter der Mannschaftsführung nach Lausanne geladen. Sollten sie in den Skandal verstrickt sein, wäre das Debakel perfekt. Österreichs NOK war bereits nach dem Fall Walter Mayer 2002 in Salt Lake City verwarnt worden, weil es seiner Aufsichtspflicht nicht genügt hatte.

Der ehemalige Cheftrainer steht erneut im Zentrum der Affäre. Er war für acht Jahre von Olympia ausgeschlossen worden, hatte sich dennoch - angeblich als Privatperson - in einem Ausweichquartier Austrias bei Turin einquartiert. Bei einer Razzia der italienischen Polizei war während der Spiele umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden. Der Bericht ging dem IOC jedoch erst Anfang des Jahres zu.

Die Beweise für "organisierten gemeinschaftlichen Betrug" erwiesen sich als erdrückend. "Ein ganzes Labor war aufgebaut, von Spritzen bis Blut-Testgeräten war alles vorhanden", hieß es aus der Exekutive. Man habe dieses "erschreckende Ausmaß an krimineller Energie zumal in einer eher mittelmäßigen Mannschaft" bislang nicht für möglich gehalten.

Keiner der beschuldigten Sportler war zur Anhörung vor dem Bach-Ausschuss in Lausanne erschienen, von allen lagen nur schriftliche Erklärungen ihrer Anwälte vor. Aus Sicht der Kommission konnte der massive Dopingverdacht somit nicht entkräftet werden. Dies aber ist laut IOC-Charta und Welt-Antidoping-Code alleinige Pflicht der Athleten.

Nach vorläufiger Festnahme und Wiederfreilassung waren Mayer, Perner und Rottmann aus Turin geflüchtet. Die bei zehn Aktiven nachträglich vorgenommenen Dopingtests hatten sämtlich negative Ergebnisse gebracht.

© SID

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