Wintersport Doping
Rückschlag für Pechstein

Claudia Pechstein, wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Eisschnellläuferin, wollte mit einer Langzeitstudie ihr Unschuld beweisen. Die Nada erteilte ihrem Konzept eine Absage.

Genau eine Woche nach ihrem Punktsieg vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS muss Claudia Pechstein bei ihrem Kampf um die Rückkehr aufs Wettkampf-Eis einen Rückschlag hinnehmen. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat das von ihr gewünschte Konzept einer Langzeitstudie nicht akzeptiert. Eischnellläuferin Pechstein hatte gehofft, mit der Studie ihre schwankenden und erhöhten Retikulozytenwerte auf natürliche Ursachen zurückführen zu können.

Wie die Nada erklärte, sei in einem Gespräch mit Pechstein "einvernehmlich festgestellt" worden, dass sich die Sportlerin einer "vollständigen Quarantäne über mehrere Wochen nicht unterziehen" könne. Es sei unmöglich, so die Nada, eine lückenlose Überwachung über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten. Voraussetzung des Tests sei jedoch, dass jede Manipulation ausgeschlossen werden könne. "Die Langzeitstudie ist damit gegenstandslos geworden", teilte die Nada mit.

"Schwierig, sich zu entlasten"

Pechstein bedauerte die Entscheidung, zeigte aber auch Verständis. Es sei verständlich, dass die Nada eine Überwachung rund um die Uhr nicht leisten könne. "Das zeigt aus meiner Sicht aber auch, wie schwierig es ist, sich als des Dopings beschuldigte Sportlerin zu entlasten", meinte die fünfmalige Olympiasiegerin. Die Gespräche mit der Nada seien am Mittwoch in "angenehmer Atmosphäre" verlaufen.

Pechstein hatte vorgeschlagen, sich ähnlich wie in einer Quarantäne für mehrere Wochen unter Beobachtung durch die Nada zu stellen. Die Eisschnellläuferin bot an, Kontrolleuren über einen längeren Zeitraum rund um die Uhr für Dopingtests zur Verfügung zu stehen. Bei der Nada hatte es von Anfang an Bedenken gegen die Pläne des Pechstein-Lagers gegeben.

Manager kritisiert ISU erneut

"Es ist im gegenwärtigen Anti-Doping-Kampf bezeichnend, dass zur Entlastung eines Athleten eine hundertprozentige Gewissheit verlangt wird, für die Beschuldigung und Sperre Claudia Pechsteins dagegen ein einziges Indiz ausgereicht hat", sagte Pechsteins Manager Ralf Grengel und kritisierte erneut die Sperre der ISU. Der Eislauf-Weltverband hatte Pechstein wegen auffälliger Blutwerte nur anhand von Indizien und ohne positiven Befund für zwei Jahre gesperrt.

Präsident Gerd Heinze von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) bedauerte die Entscheidung: "Schade, dass es nicht geklappt hat. Wir sind bei der Wahrheitsfindung für jede Hilfestellung dankbar. Die Gründe der Nada sind aber aus justiziablen Gründen verständlich", meinte Heinze.

Erst vor einer Woche hatte Pechstein im Kampf um ihre Rehabilitation einen Punktsieg gelandet. Der CAS hatte die Wettkampfsperre gegen die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin zwar bestätigt, ihr aber das Recht zugesprochen, an offiziellen Trainingseinheiten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) teilnehmen zu dürfen. Drei Tage später hatte die 37-Jährige das Training mit den deutschen Eisschnellläufern im Berliner Sportforum wieder aufgenommen. "Das ist der erste Schritt Richtung Olympia", sagte die deutsche Rekord-Olympionikin optimistisch.

Michael Lehner, Anwalt und Vizepräsident der International Sports Lawyers Association, hatte jedoch vor verfrühter Freude im Pechstein-Lager gewarnt: "Damit ist keine Entscheidung im Hauptverfahren gefallen. Nicht mal als Indiz taugt der aktuelle CAS-Spruch", sagte er Spiegel Online.

Neue Saison beginnt Ende Oktober

Eine endgültige Entscheidung über Pechsteins Zukunft auf dem Eis wird im Oktober erwartet. Dann will der CAS sein Hauptverfahren abschließen. "Unser Ziel ist es, bis zu Beginn der neuen Saison ein endgültiges Urteil zu haben", sagte CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb. Die neue Eisschnelllauf-Saison beginnt bereits Ende Oktober.

Nur wenn Pechstein frühzeitig wieder ins Wettkampf-Geschehen eingreifen kann, hat sie eine Chance auf eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Vancouver (12. bis 28. Februar 2010). Die Zeit drängt. Der vorentscheidende Qualifikationswettkampf ist bereits Mitte November.

© SID

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