Wintersport Olympia
Bach: "München ist auf einem guten Weg"

Dosb-Präsident Thomas Bach steht der Münchner Olympiabewerbung auch nach dem Rückzug von Willy Bogner optimistisch gegenüber. Seine Zuversicht knüpft er eng an Katarina Witt.

Dosb-Präsident Thomas Bach blickt nach dem Rückzug von Willy Bogner als Chef der Münchner Olympiabewerbung für 2018 mit demonstrativer Zuversicht voraus. "München ist auf einem guten Weg und im Zeitplan", sagte Bach im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) und knüpfte seinen Optimismus eng an Bogners Nachfolgerin Katarina Witt. Keinen Gedanken verschwendet Bach angeblich an seine eigenen Ambitionen auf die IOC-Präsidentschaft: "Es wäre verfrüht." Konkreter wird er dagegen mit seiner Kritik am ZDF.

SID: "Herr Bach, nach dem Rückzug von Willy Bogner rückt nun Katarina Witt noch mehr ins Rampenlicht der Münchner Olympia-Bewerbung für 2018. Kann Sie diese Rolle ausfüllen?"

Bach: "Katarina Witt hat die Aufgabe der Präsentation von München 2018 schon bei den Jugendspielen in Singapur hervorragend ausgefüllt. Wir haben ein bestes Echo von allen Beteiligten und IOC-Mitgliedern erhalten. Diese Rolle wird sie weiterführen - und ich bin mir sicher, dass sie es mit Erfolg tun wird."

SID: "Witt wird viel Arbeit bekommen. Die Bewerbung hatte zuletzt durch Standort-Diskussionen, Gerangel um Grundstücke und jede Menge Kritik von außen viele Negativschlagzeilen ..."

Bach: "Kritiker gibt es immer. Aber diese Bewerbung hat mit Bravour die Hürde genommen, Candidate City zu werden, und dabei bewiesen, dass das Konzept gut und ausgereift ist. Auf diesem Weg muss die Bewerbung weitermachen. Dafür sind die Weichen gestellt, auch mit den Entscheidungen, die wir am Montag getroffen haben."

SID: "Die Zeit drängt. Am 11. Januar muss die Bewerbung eingereicht werden. Mit der möglichen Nutzung eines Golfplatzes bei Garmisch-Partenkirchen hat sich zuletzt sogar das Pentagon befasst. Könnte der Zeitfaktor zum Problem werden?"

Bach: "Die Grundstücksfrage wird im Herbst gelöst sein. Dann wird München mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee ein wettbewerbsfähiges Olympisches Dorf präsentieren. Solche Dinge sind im Laufe von Bewerbungen Routine. Man sollte sich, um das mal in die richtige Perspektive zu rücken, auch einmal andere erfolgreiche Bewerbungen anschauen, wo die zum gleichen Zeitpunkt standen und wie erfolgreich dann die Spiele waren. München ist auf einem guten Weg und im Zeitplan."

SID: "IOC-Präsident Jacques Rogge hat vor kurzem im FAZ-Interview gesagt, dass 'natürlich jeder' Ihre Bewerbung um das Amt des IOC-Chefs erwarte. Spielt diese Präsidentschaft in Ihrer Lebensplanung eine Rolle?"

Bach: "Nein, die Entscheidung über die IOC-Präsidentschaft fällt im Jahr 2013, und sich jetzt darüber Gedanken zu machen, wäre zum einen nicht fair gegenüber dem amtierenden IOC-Präsidenten, der meine volle Unterstützung für seine Amtszeit hat. Es wäre verfrüht, und deshalb verschwende ich daran gegenwärtig keinen Gedanken."

SID: "Sie sagen gegenwärtig. Wann ist denn rein theoretisch der richtige Zeitpunkt gekommen, den Hut in den Ring zu werfen?"

Bach: "Das ist alles bloße Theorie, über die ich mir im Augenblick nicht den Kopf zerbreche. Ich spekuliere darüber nicht."

SID: "Claudia Pechstein hat im Zuge ihres Dopingfalles Ende Juni mit der Rückendeckung von 100 Prominenten eine Aktion initiiert, die auch Sie betrifft. Pechstein hat einen Brief mit Forderungen an Sie vorverfasst und die Öffentlichkeit gebeten, Ihnen diesen zukommen zu lassen. Quillt Ihr Postkasten seitdem über?"

Bach: "Das will ich hier im Einzelnen nicht kommentieren. Meine Postbearbeitung ist nicht überfordert."

SID: "Eines scheint Pechstein mit ihrem hartnäckigem Kampf allerdings erreicht zu haben: Seit ihr Dopingfall vor über einem Jahr öffentlich wurde, hat kein einziger olympischer Verband mehr den indirekten Dopingnachweis angewandt. Sehen Sie einen Zusammenhang?"

Bach: "Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, welche Tests und welche Testergebnisse vorliegen. Deswegen kann man hier nur Vermutungen anstellen, und die sind im Kampf gegen Doping nicht hilfreich."

SID: "Dennoch scheint der indirekte Dopingnachweis, der nach Bekanntwerden des Falles Pechstein als neue Speerspitze im Kampf gegen Doping gefeiert wurde, beschädigt ..."

Bach: "Nein, das denke ich nicht. Alle Beteiligten begrüßen den indirekten Dopingnachweis und seine Möglichkeiten. Es kommt bei ihm darauf an, dass er juristisch sattelfest geführt wird. Es steht jetzt ein Urteil des Schweizer Bundesgerichtes aus, danach werden wir alle noch auf einer besseren und juristisch gesicherteren Grundlage arbeiten können."

SID: "Fast alle olympischen Sportarten mit Ausnahme des Fußballs beklagen fehlende TV-Sendezeit. Das ZDF-Sportstudio erhält künftig den festen Sendeplatz 23.00 Uhr, andere Sportarten als der Fußball werden wohl erst nach Mitternacht behandelt werden. Wie gefällt Ihnen das?"

Bach: "So späte Sendezeiten - das kann keinem Sportfan gefallen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die ersten Quoten, die das ZDF damit einfährt, dort zu tiefem Nachdenken führen werden."

© SID

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