Wintersport Olympia
Vesper: "Werden intensiv mit dem DEB sprechen"

Dosb-Generaldirektor Michael Vesper spricht im Interview mit dem SID über die enttäuschende Eishockey-WM. "Wir müssen wissen, wie es angesichts dieses Desasters weitergehen soll."

Nach dem enttäuschenden 15. Rang bei der Eishockey-WM in der Schweiz fordert der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) Konsequenzen und kündigt intensive Gespräche mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) an. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) spricht Dosb-Generaldirektor Michael Vesper über das weitere Vorgehen sowie die Chancen des gesamten deutschen Olympiateams bei den Winterspielen 2010 (12. bis 28. Februar) in Vancouver.

SID: "Herr Vesper, der vorolympische Winter endete für Deutschlands Sportler drei Jahre nach Platz eins in der Medaillenbilanz von Turin nicht gerade verheißungsvoll. Das Eishockeyteam wäre klar in die B-Gruppe abgestiegen, wenn es nicht 2010 selbst WM-Gastgeber wäre. Wie sehen Sie das enttäuschende Auftreten der Mannschaft, wird es von Dosb-Seite aus Gespräche mit dem Eishockey-Verband geben?"

Michael Vesper: "Die Wintersaison insgesamt war ja eher ermutigend. Die Zahl von 28 Medaillen entspricht fast exakt dem außerordentlich guten Ergebnis von Turin, wo wir am Ende das beste Team hatten. Beim Eishockey war das schon arg enttäuschend. Ich bin deshalb froh, dass die Mannschaft in Vancouver die Chance auf Wiedergutmachung erhält. Wir werden mit dem Deutschen Eishockey-Bund intensiv sprechen, wir wollen und müssen wissen, wie es angesichts dieses Desasters weitergehen soll."

SID: "2006 in Turin gewann die deutsche Mannschaft die Nationenwertung mit elf Siegen und 29 Medaillen vor den USA (9 - 25), Österreich (9 - 23), Russland (8 - 22) und Kanada (7 - 24). In Vancouver scheint die deutsche Vormachtstellung in Gefahr, wenn man in den 86 Olympia-Disziplinen die WM-Resultate 2009 zum Maßstab nimmt. Vor dem Eishockey-Finale am Sonntag liegen die USA (13 - 28) vor Norwegen (11 - 25), Deutschland (9 - 28), Österreich (8 - 18) und Kanada (6 - 28). Wie sehen Sie die Situation?"

Vesper: "Wie in jedem der zurückliegenden Winter. Wir sind stark und wir haben starke Mitbewerber. Der Trend, dass die Konkurrenz auch im Winter immer größer wird, setzt sich fort. Ich sehe vor Vancouver in den USA, Kanada und uns drei Nationen, die sehr breit aufgestellt sind, die also ihre Podestplätze nicht nur in wenigen Sportarten holen. Norwegen und Österreich gebe ich nicht ganz so große Chancen, denn sie sind abhängiger davon, in wenigen Bereichen extrem erfolgreich zu sein. Aber weil im Sport immer auch die Tagesform entscheidet, muss man sie zum erweiterten Favoritenkreis zählen."

SID: "Dass Deutschlands Wintersportler 2009 nicht die meisten Weltmeister stellten, lag vor allem an reduzierten Erfolgen in zwei Paradedisziplinen: Im Biathlon folgten der idealen Ausbeute von fünf Siegen und elf Medaillen in Turin diesmal bei der WM in Südkorea zwei Titel und insgesamt sieben Mal Edelmetall. Im Bob gab es nach der olympischen Siegesserie in allen drei Disziplinen diesmal in Lake Placid zwar auch drei Medaillen, aber nur zweimal Silber und einmal Bronze. Steht und fällt der deutsche Erfolg mit diesen beiden Disziplinen?"

Vesper: "Unsere Stärke liegt doch gerade darin, dass wir nicht nur in diesen beiden Disziplinen über Ausnahmeathletinnen und-athleten verfügen. Siegertypen haben wir auch im Eisschnelllauf, in der Nordischen Kombination, im Langlauf, Rodeln, Skeleton und nun auch wieder im alpinen Bereich. In 13 von 15 Sportarten waren wir in diesem Winter mit Medaillen oder Finalplatzierungen dabei, nur beim Freestyle und im Eishockey waren wir nicht erfolgreich. Das ist eine gute Basis für gesundes Selbstvertrauen."

SID: "Wie sieht der Dosb die Ausgangsposition für Vancouver? Ist der erneute erste Platz in der Nationenwertung das Ziel - oder will man nur zu den drei erfolgreichsten Nationen gehören?"

Vesper: "Natürlich wollen wir unseren ersten Platz verteidigen, aber wir wissen, dass das enorm schwierig werden wird. Schon unter den ersten Drei zu landen, wäre angesichts der gewachsenen Konkurrenz ein Erfolg. Der Dosb arbeitet hart daran, den Verbänden eine optimale Vorbereitung zu ermöglichen. Dafür steht unser neuer Leistungssportdirektor Ulf Tippelt ebenso wie sein Vorgänger Bernhard Schwank, der in Vancouver als Chef de Mission das deutsche Team anführen wird. Wir sind guten Mutes, ohne aber überheblich zu werden."

© SID

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