Wintersport
Ski-Tycoon gründet eigenen Verband

Ein österreichischer Unternehmer will mit einer europäischen Organisation den Wintersport aufmischen: Peter Schröcksnadel hat die European Ski Federation gegründet, mit seinen Mitstreitern erhofft sich der Unternehmen mehr Gewicht beim Weltverband. Doch beim Fis will man von dem neuen Verband nichts wissen.

HAMBURG. Die Begründung klingt simpel: Im Handball gebe es mit der EHF einen europäischen Verband, im Fußball mit der Uefa ebenfalls - warum also nicht auch einen europäischen Skiverband ins Leben rufen? Peter Schröcksnadel ist dieser Logik gefolgt: Er hat die Angelegenheit in die eigenen Hände genommen und die European Ski Federation (ESF) gegründet. Nun ist er nicht nur Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), sondern auch der europäischen Interessenvertretung.

Schröcksnadel darf zu Recht als Wintersport-Tycoon bezeichnet werden - wie ein Auszug aus seinem Firmenimperium zeigt: Mehr als 30 Ski-Unternehmen mit einem Umsatz von über 70 Mio. Euro, die Skigebiete Hinterstoder, Patscherkofel, Lackenhof und Großglockner und über 90 Prozent am Radiosender Antenne Tirol werden dem ehemaligen Vorstandsmitglied des Ski-Weltverbandes Fis zugerechnet.

Mit dem Attribut "ehemalig" indes ist der erste Knick in Schröcksnadels Karriere benannt: Der Innsbrucker musste zurücktreten, als er in die Dopingaffäre um österreichische Athleten bei Olympia 2006 in Turin verwickelt schien. Für viele Insider ist die Gründung der ESF Anfang Mai daher eine Retourkutsche des ÖSV-Präsidenten für seine Ausbootung bei der Fis. Einem Machtmenschen wie Schröcksnadel könne es nicht gefallen, bei der Fis kaum mehr etwas sagen zu haben.

Tatsächlich verkündeten die Präsidenten Gianni Morzenti (Skiverband Italien), Urs Lehmann (Schweiz), Alain Méthiaz (Frankreich) und Schröcksnadel auf ihrer bisher einzigen Pressekonferenz: Mit der ESF erhofften sie sich mehr Gewicht - auch bei der Fis. Dort waren immer wieder Anträge von Schröcksnadel abgeprallt. Zuletzt hatte er den Vorschlag eingereicht, weniger Übersee-Wettbewerbe und dafür mehr Ski-Events in Europa zu veranstalten. Das spare Reisekosten. Die Fis denkt aber nicht daran, sich auf die ESF einzulassen, wie Generalsekretärin Sarah Lewis durchblicken lässt: "Wir arbeiten mit allen Verbänden zusammen, die Mitglied der Fis sind. Die ESF ist kein Mitglied der Fis."

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