Wirtschaften mit großem Risiko
Bohmann: Das Image des Handballs leidet

Kurz vor Vergabe der Lizenzen kämpfen einige Handball-Bundesligisten ums Überleben. Das sei «für das Image katastrophal», sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, in einem Interview.

HB BERLIN. Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), hat derzeit viel zu tun. Wälzt er doch seit dem 10. März, dem Abgabetermin für die Lizenzunterlagen, Ordner und nochmals Ordner, um Einblick in die Finanzen der 54 Klubs aus Liga eins und zwei zu bekommen.

Am 25. Mai steht die Lizenzvergabe an, und nicht für alle Beteiligten dürfte dabei ein Freudentag herausspringen. Zuletzt produzierten die Ligen Schlagzeilen, die vor allem am seriösen Wirtschaften einiger Klubs zweifeln lassen. Bohmann, ehemals Manager der Metro-Gruppe und des Dualen Systems, ärgert sich maßlos darüber, stellt aber im Interview mit der «Netzeitung» klar: «Es wird nicht unseriös gewirtschaftet. Der weit überwiegende Teil der Klubs wirtschaftet blitzsauber.» Aber Bohmann ist sich auch darüber im Klaren, dass etwas passieren muss. Denn «Schlagzeilen, dass Vereine insolvent gehen oder Spieler nicht bezahlt werden, sind für das Image katastrophal».

Betroffen von der wirtschaftlichen Misere sind Traditions- wie Retortenklubs gleichermaßen. TUSEM Essen zum Beispiel plante mit großzügigen, aber im Grunde unrealistischen Sponsorenzahlungen einer in Griechenland ansässigen Projektmanagement-Firma, bei Post Schwerin - notorisch klamm - waren die Etatlöcher absehbar, und beim HSV Hamburg mündete die Abhängigkeit von Mäzenen im Abzug von acht Punkten, was mit dem Verlust eines Spitzenplatzes in der Tabelle einherging. In Wallau schließlich drehte das Finanzamt den Geldhahn zu. Wenigstens wurden den Spielern in dieser Woche Gehalts-Teilzahlungen versprochen. Sie hatten zuvor mit einem Spielboykott gedroht.

Bohmann sieht die Schuld allerdings nicht nur bei den Vereinen. «Wenn ein großer Sponsor kein Geld mehr bezahlt, weil er selber in Konkurs geht, ist das nicht die Schuld des Vereins.» Trotzdem: Bereits für den Juni stellt Bohmann «veränderte Richtlinien» in Aussicht, und im Fall des Falles werde dem jeweiligen Verein fortan das ganze Jahr ins Portemonnaie geschaut. Zudem müsse manch ein Klub darüber nachdenken, ob er angemessene Spielergehälter bezahle. Für die Lizensierung stellt Bohmann den Vereinen jedenfalls ein faires Verfahren in Aussicht: «Wir werden das Verfahren unabhängig von Namen und Marken durchführen.»

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