sonstige Sportarten
WM-Standort Dortmund auf Suche nach Geldquellen

Die geballte Prominenz aus Politik und Sport versprühte demonstrativ Optimismus, konnte aber die bedrückte Stimmung nicht aufhellen. Selbst der kaiserliche Zuspruch verfehlte bei der Eröffnung des Fußball-Globus in Dortmund seine Wirkung.

dpa DORTMUND. Die geballte Prominenz aus Politik und Sport versprühte demonstrativ Optimismus, konnte aber die bedrückte Stimmung nicht aufhellen. Selbst der kaiserliche Zuspruch verfehlte bei der Eröffnung des Fußball-Globus in Dortmund seine Wirkung.

In unnachahmlicher Manier stellte WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer die für die WM-Renovierung des Westfalenstadions noch fehlenden Mittel in Aussicht. "Daran werden die WM-Spiele in Dortmund nicht scheitern. Die paar Markl haben wir auch noch."

Für solch markige Sprüche hatten die Gäste im Dortmunder Rathaus nur ein müdes Lächeln übrig. Die Sorge um die von der Insolvenz bedrohte Borussia nimmt der Fußball verrückten Stadt derzeit die Vorfreude auf die WM. Von Euphorie und Zuversicht war bei der lieblos inszenierten Globus-Eröffnungsfeier deshalb nur wenig zu spüren. Wie auch: Noch immer ist ungeklärt, wer die knapp fünf Mill. Euro aufbringen soll, die für die vom Weltverband Fifa vorgeschriebene Installation eines elektronischen Zutrittsystems und die neuen Sitzschalen in den unteren Rängen fällig werden.

Dennoch hält der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück die Sorge um den WM-Standort Dortmund für unbegründet. "Der Ausbau des Stadions wird nicht scheitern. Man wird eine Lösung finden."

Einfach wird das nicht. Eine Zusage von Steuergeldern schließt Steinbrück aus gutem Grund aus: Sie könnte bei der im Mai anstehenden NRW-Wahl Stimmen kosten. Auch Bundesinnenminister Otto Schily stellte keine direkte finanzielle Hilfe in Aussicht. Der Gast aus Berlin sprach der Borussia zwar Mut zu, konnte sich aber einen kritischen Kommentar über die desaströse Finanzpolitik der vergangenen Jahre nicht verkneifen: "Wir sollten aufpassen, dass der Sport das Wichtigste bleibt und nicht die Finanzen. Es stellt sich die Frage, ob die Börse der richtige Ort für Fußball ist."

Bei allem Unverständnis über den riskanten Kurs der BVB-Geschäftsführer überwiegt jedoch Hilfsbereitschaft. "Das Land NRW ist ohne den BVB kaum vorstellbar. Der Verein ist ein Imagefaktor nicht nur für Dortmund, sondern für das Ruhrgebiet und die Bundesliga", meinte Steinbrück. Alle wissen: Ohne die Hilfe der Politik kann der BVB das Problem mit dem Stadionausbau kaum lösen. Dem Vernehmen nach bemüht sich der Club um eine weitere Landesbürgschaft zur Absicherung eines Kredits. Darüber hinaus wird über eine Stundung von Steuerzahlungen der Borussia Dortmund Gmbh und Co. Kgaa nachgedacht.

Solche Lösungen sind heikel. Längst ist die Finanzkrise der Borussia zum Politikum geworden. Nach Meinung von Gerhard Papke trägt die Landesregierung "durch einen verantwortungslosen Umgang mit Landesbürgschaften eine politische Mitverantwortung". Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion wirft der rot-grünen Landesregierung vor, im Jahr 2002 den Verkauf des Westfalenstadions an die Commerzbank-Tochter Molsiris abgesegnet zu haben: "Wenn man diesem aberwitzigen Deal seine Zustimmung verweigert hätte, wäre die Finanzkrise beim BVB beherrschbar geblieben." Das Land hatte den Ausbau des Westfalenstadions mit drei Landesbürgschaften gesichert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%