Yachtenbauer Leonardo Ferragamo
König der stolzen Schwäne

Leonardo Ferragamo, der Chef des Modeimperiums Salvatore Ferragamo, hat seine Segelleidenschaft zum lohnenden Investment gemacht. Die Swans seiner Firma Nautor Yachts sind die Flaggschiffe der internationalen Segelszene.

Es war ein Irrtum, der Leonardo Ferragamo und seine Objekt der Begierde zusammenbrachte. Der Spross der legendären Florentiner Schuh- und Modedynastie war auf der Suche nach einer Segelyacht. Das war 1988, der zweitjüngste Ferragamo war Anfang 30. "Ich hatte ein ganz bestimmtes Budget. Ein Makler zeigte mir eine Yacht. Ich bin fast mein ganzes Leben lang gesegelt, aber nie zuvor hatte ich etwas Schöneres gesehen."

Erst spät fiel dem Makler auf, dass er die Yacht im Preis um 100 000 Dollar zu niedrig angesetzt hatte. Ferragamo machte zunächst einen Rückzieher. Aber er hatte gefunden, was er wollte: Erst kaufte er sich seine erste Swan - und zehn Jahre später die ganze Firma.

"Man kann es Zufall nennen, aber es war wohl eher Schicksal", sagt Ferragamo über dieses erste Rendezvous. Wir sitzen in einem hohen, weiten Saal im Palazzo Feroni in Florenz, zwischen Via Tornabuoni und dem Arno. Das Erdgeschoss birgt den Ferragamo-Showroom, in die Büros in den oberen Stockwerken führt ein mit der Akkuratesse eines Maßschneiders in die Renaissance-Gemäuer eingepasster hypermoderner Aufzug aus Glas und Stahl, in den zwei Personen passen. Das mit der Swan, sagt Ferragamo in einem Business- School-geprägten, exzellenten Englisch mit weichem italienischen Akzent, war "natürlich eine emotionale Entscheidung, aber eine von großer Rationalität. Die Marke repräsentiert Qualität, sie genießt unter Seglern eine enorme Glaubwürdigkeit, die Yachten sind schön, elegant, verlässlich, und sie performen. Das nenne ich eine starke Philosophie."

Swans werden seit 40 Jahren in einer Gegend gebaut, die einem eleganten Florentiner wie Ferragamo nicht ferner liegen könnte: Unweit des Polarkreises, im finnischen Pietarsaari, auf dem 63. Breitengrad, hat der finnische Unternehmer Pekka Koskenkylä die Firma Nautor gegründet und schnell eine wohlhabende internationale Seglergemeinde entzückt, die überragende Qualität schätzt. Nur eines fehlte Nautor Ende der neunziger Jahre: Geld; die Gewinne waren eingebrochen. Ferragamo hatte sich das Ganze ein paar Jahre lang aus der Ferne angesehen. "Ich habe immer wieder ziemlich gute Vorschläge gemacht, aber sie haben nichts davon umgesetzt." 1998 kaufte er Nautor?s Swan als Mehrheitseigner zusammen mit anderen Investoren.

Die italienische Mode kennt ein paar gute Beispiele großer Marken, die immer über eine erstklassige Substanz verfügten, denen es aber zeitweise an der Strategie fehlte, allen voran Gucci. Ferragamo ist selbst eine Traditionsmarke mit 80 Jahren Geschichte, die sich immer wieder neu erfunden und aktualisiert hat.

Seit den siebziger Jahren haben die Besitzer italienischer Modefirmen wie Armani, Versace und Prada der Welt vorgeführt, wie man rund um Luxusprodukte einen Lifestyle kreiert, den sich Menschen auf der ganzen Welt wünschen - und so eine unwiderstehliche Begehrlichkeit schafft. "Schuhe und Yachten haben einiges gemeinsam, wenn wir über Branding reden: Bei beiden geht es um Funktion, Performance, Dauerhaftigkeit, Effizienz, Innovation und Design", sagt Leonardo Ferragamo. Ferragamo, der an der Columbia University in New York Business Administration und Finanzwirtschaft studiert hat, machte sich daran, die Erfolgsrezepte der Style-Branche auf die Welt der Yachten zu übertragen. Mit durchschlagendem Erfolg.

Heute produziert und verkauft Nautor nicht nur deutlich mehr Swans als vor zehn Jahren, die Schiffe werden mit neuester Technik gebaut, sie sind leichter und ökonomischer - auch wenn eine Swan nur schwer unter einer Million Dollar zu haben ist. Kein Wunder, dass die Firma wieder Profit macht.

Swans wurden schon immer von ambitionierten Seglern gekauft, die ein überlegenes Sportgerät suchten. Seit 30 Jahren arbeitet Swan bei den eigenen Regatten mit Rolex zusammen. 2007 werden zwei regionale Rolex Swan Cups ausgetragen, in Newport der Nordamerikanische Swan Cup und in Cowes auf der Isle of Wight der Nordeuropäische Cup. Dabei verbündet sich Swan außer mit Rolex auch mit dem exquisiten New York Yacht Club und der Royal Yacht Squadron in Cowes. Und da ist außerdem noch der Swan 45 Gold Cup, der ebenfalls in Cowes ausgekämpft wird, ehe 2008 wieder "der" Rolex Swan Cup vom Yacht Club Costa Smeralda ausgerichtet wird - das alle zwei Jahre stattfindende Großereignis der weltweiten Swan-Seglergemeinde. "Übrigens hat niemand mehr für den Segelsport getan als Rolex", sagt Ferragamo. "Alle sollten dankbar dafür sein."

Vom America?s Cup 2007 in Valencia erhofft sich Ferragamo mehr Aufmerksamkeit für die Swan-Regatten. "Wenn der America?s Cup vorbei ist, dann wird das dadurch geschaffene Interesse des Publikums für das Segeln sich neue Ziele suchen, vielleicht wird ja auch der Swan Cup dabei sein."

Ferragamo ist von Jugend an vom Segeln fasziniert: "Ich liebe diesen Sport, weil er Freiheit, Schönheit und Wettkampf vereint." Seit er als CEO in der Familienfirma tätig ist, hat er erfahren, dass zwischen seiner Aufgabe und seiner Leidenschaft viele Querverbindungen bestehen: Eine Segelyacht, sagt Ferragamo, "ist - eines der besten Trainingscamps für kommende Manager. Das wichtigste Körperteil beim Segeln ist der Kopf, man muss sich konzentrieren und schnell und richtig entscheiden.

Wenn das Schiff groß ist, braucht man dafür ein Team. Man lernt zusammenzuarbeiten, man erfährt, dass man buchstäblich im selben Boot sitzt und niemanden loswerden kann, wenn man einmal unterwegs ist. Das zwingt dazu, aus allen das Beste herauszuholen und mit den Schwächen umzugehen. Alles Schlüsselqualifikationen, wenn es im Job um Teambuilding geht." Sehr viele Italiener (und solche, die es gern wären) entwickeln ein Faible für exquisite Segeltörns - und auch Ferragamo prophezeit entspanntem "Cruising" eine große Zukunft.

Dafür hat Swan einen eigenen Klub geschaffen, der Eigentümern ein Potpourri exklusiver Freizeitaktivitäten nach dem anstrengenden Money-Job offeriert: "Events, Privilegien, Services für all diejenigen, die sich zu Swan bekannt haben", sagt Ferragamo. Dazu gehören Törns in den besten Revieren der Welt, Zugang zu Marinas, Austausch zwischen Yachtklubs, Discounts, wenn ein Privatjet gechartert werden soll, und "sehr gute Partys", wie Eingeweihte wissen.

Seine eigenen Lieblingsreviere? "Oh, das sind Gegenden, in denen ich selbst noch nicht gesegelt bin, ich habe nicht so viel Zeit dafür." Dazu gehören die Philippinen ("herrliches Wasser, gute Fischbestände"), Neuseeland und Polynesien ("mein Traum"). Im Mittelmeer sieht man Ferragamo auf Sardinien, Capri und Korsika, in Trapani auf Sizilien und in den Kykladen.

Wen sonst als einen Mode-Mann soll man konsultieren, wenn es um den adäquaten Style auf Yachten vom Format einer Swan geht? Leonardo Ferragamo, ganz Diplomat, will nicht zu konkret werden, das sei zu sehr eine Frage des persönlichen Stils. " Nicht zu feingemacht, aber auch nicht übermäßig casual", sagt er. "Sie sind dann gut angezogen auf einer Yacht, wenn Ihre persönliche Würde sich in dem vermittelt, was Sie tragen." Schließt das Jeans aus, Signor Ferragamo? "Ja, Jeans sind schwierig?"

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