Zahlreiche Skandale im russischen Team
Kein Kaviar, dafür viele Logos

Im Russkij Dom, dem Russischen Haus bei Olympia wird jede Medaille kräftig gefeiert. Wer aber Kaviar zum Edelmetall erwartet, wird enttäuscht: Der wurde verbannt.

HB MOSKAU. Einen ganzen Zentner bester Stör-Eier hatte das Nationale Olympische Komitee mit nach Italien gebracht. Doch die feinen schwarzen Körner stießen einigen übel auf. Die Tierschützer vom World Wildlife Fund (WWF) zeigten die russischen Olympioniken an: Der Kaviar ist illegal am seit Januar geltenden Kaviar-Handelsverbot des Internationalen Artenschutzverbandes CITES vorbei geschafft worden.

Je besser die sportliche Seite läuft, desto desaströser präsentiert sich das russische Team außerhalb von Eis und Piste, ein Skandal jagt bei Olympia den nächsten. So rüffelte das IOC die Kleidung der Sportler: Die zahlreichen auffälligen Schriftzeichen des Ausstatters mussten gleich mehrfach überklebt werden. Denn laut Olympia-Norm ist nur einmal "Nike", "Adidas" oder eben das russische "Bosco Sport" auf Jacken oder Trikots erlaubt.

Doch das russische Haus heißt offiziell gleich "Bosco Villa" und der Modeschneider platziert dort seine Werbung weiträumig um und in der Anlage. Die Präsenz ist derart erschlagend, dass es sogar eine Anfrage in der Duma gab. Damit nicht genug der Schlagzeilen um Bosco. Vorstandschef Michail Kusnirowitsch beschwerte sich, dass Trainer der Rodel-, Biathlon- und Ski-Mannschaften Adidas-Anzüge im olympischen Dorf trügen und einige Athleten öffentlich über die schlechte Passform seiner Mannschaftsbekleidung mäkelten. Eine Million Dollar Sponsorengelder verlangte Bosco zurück.

Ein Mannschaftssprecher drohte hingegen mit Boykott, weil die Moskauer Firma mit dem pseudo-italienischen Namen "Nervosität in die Mannschaft" bringe, da das Unternehmen ständig die Einhaltung der Kleiderordnung überprüfe und "mehrere Dutzend Verstöße" zu Protokoll nahm. Weit kommt die Kritik an Bosco nicht. Das Unternehmen verfügt über beste Kontakte in den Kreml, Sportminister und Ex-Eishockey-Star Wjatscheslaw Fetisow war einst Werbe-Model für das Unternehmen.

Und die Abgeordneten der Duma amüsieren sich sogar selbst in Turin: Ein russischer Ölkonzern hat 100 Abgeordnete der Kreml-Fraktion "Einheitliches Russland" nach Turin geflogen. Prinzipielle Fragen zum Umgang mit dem zweifelhaften Angebot gab es keine, die 450 Parlamentarier stritten sich eher über die Frage: "Warum der und nicht ich?"

2014 übrigens sollen die Winterspiele nach Putins Willen in der Schwarzmeerstadt Sotschi stattfinden - den Kaviar dorthin zu liefern wäre dann wenigstens nicht illegal.

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