Zehnkämpfer André Niklaus
Kronprinz fordert die „Könige der Athleten“ heraus

Seit bald hundert Jahren gelten die Zehnkämpfer als die uneingeschränkten „Könige der Athleten“. Bei der Europameisterschaft in Göteborg hofft der Zehnkämpfer André Niklaus auf eine neue persönliche Bestleistung.

BERLIN. Seit bald hundert Jahren gelten die Zehnkämpfer als die uneingeschränkten „Könige der Athleten“. Zu verdanken haben sie dies keinem Geringeren als dem schwedischen Monarchen König Gustav V., der bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm den Amerikaner Jim Thorpe nach dessen Triumph im leichtathletischen Mehrkampf überschwänglich in den Stand seinesgleichen erhob. Später wurde Thorpe die Goldmedaille aberkannt, als ruchbar wurde, dass er sich dank einer Einnahme von 35 (!) Dollar beim Basketballspiel eines Verstoßes gegen den Amateurparagraphen schuldig gemacht hatte.

Mit Problemen solcherart wird der „Kronprinz“ nicht konfrontiert werden. Noch im vergangenen März konnte André Niklaus durch seinen Sieg bei der Hallen-Weltmeisterschaft im Siebenkampf in Moskau sein Konto um stattliche 40 000 Dollar aufbessern.

„Die Summe habe ich erst im nachhinein erfahren“, sagt der 24-Jährige von der LG Nike Berlin, lächelt verschmitzt und fügt an: „Ich mache das ja nicht des Geldes wegen.“ Sondern? „Um Erfolg zu haben. Ich setze mir Ziele, die will ich erreichen. Alles weitere ist eine angenehme Zugabe.“ Dollarzeichen stehen dem 1.90 Meter großen und 84 Kilo schweren Blondschopf wahrhaftig nicht in die grün-blau strahlenden Augen geschrieben. Eher diese Mischung aus jungenhafter Unbeschwertheit und sportlicher Unternehmungslust. Mit dieser Haltung hat sich Niklaus seit dem vergangenen Sommer fast wie ein Komet in die Rolle des großen Hoffnungsträgers der deutschen Leichtathletik katapultiert, derzeit hierzulande ein rarer Vertreter dieser Gattung.

Vierter wurde er letztes Jahr beim Zehnkampf in Helsinki, der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die in Kälte und Regen versank. Trotz dieser widrigen Bedingungen verbesserte Niklaus in fünf Einzeldisziplinen seine persönliche Bestleistung. „Es war halt nass“, sagt er lakonisch zu den äußeren Umständen in der finnischen Hauptstadt. 8 316 Punkte hatte er am Ende gesammelt, persönlicher Rekord. Damit offenbarte er vor allem sein außerordentliches Potential und schürte zugleich die Erwartung der Öffentlichkeit, an die große deutsche Zehnkampftradition anknüpfen zu können.

Pate stehen hierfür die Namen der Olympiasieger Willi Holdorf (1964) und Christian Schenk (1988) sowie die der ehemaligen Weltrekordler Hans-Heinrich Sievert, Kurt Bendlin, Guido Kratschmer und Jürgen Hingsen. Bis zu deren Erfolgen und Rang in den Annalen der Leichtathletik sind es noch einige Schritte. „Direkte Vorbilder habe ich nicht. Wenn ich selbst eines bin oder sein soll, dann nehme ich das aber gerne an“, sagt Niklaus, ohne dabei überheblich zu klingen. So einer stöhnt nicht unter der Last äußerer Erwartungen. „Meine Ziele ändern sich dadurch nicht. Ich möchte international Medaillen holen.“

In diesem Jahr bietet sich ihm die Chance dafür bei der Europameisterschaft in Göteborg, dem Saisonhöhepunkt Anfang August. Dafür arbeitet der Soldat der Sportfördergruppe hart und professionell. Bei aller Lockerheit nämlich zeichnet ihn Disziplin und Beharrlichkeit aus.

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