Zeitgenössische Architektur wirbelt angestaubte Golfszene auf
Wenn die Kunst mit der Natur Golf spielt

Clubs müssen nicht immer rustikal sein. Die Anlage des Golfclubs St. Oswald in Österreich zeigt, wie zeitgenössische Architektur und spektakuläre Ideen frischen Wind in die verstaubte Golfszene bringen.

Der Golfclub St. Oswald-Freistadt im österreichischen Mühlviertel, 40 Autominuten von Linz entfernt, ist etwas ganz Besonderes. Und das nicht nur, weil direkt über den Platz ein idyllischer Pilgerweg zur Heilquelle Maria Bründl, die angeblich Wunder wirkt, verläuft oder weil Loch 5 mit 612 Metern das längste Par 5 in ganz Europa ist. Eine kleine Sensation und ein Beispiel für andere Anlagen ist vor allem das futuristische, avantgardistische und trotzdem gemütliche Clubhaus.

Entworfen und gebaut wurde es von dem jungen fünfköpfigen Team der "X-Architekten" (Büros in Linz und Wien): David Birgmann, Bettina Brunner, Rainer Kasik, Max Nirnberger und Lorenz Prommegger in Zusammenarbeit mit der Kunstuniversität Linz. Nur einer von ihnen spielt Golf.

Zum einen verblüfft die Ästhetik des Baus: Eingefügt in eine "aufgeschnittene" Hügellandschaft wirkt er fast wie ein Teil der Natur; nahtlos geht der grüne Rasen über aufs begehbare Dach. Zum anderen ist das Gebäude ein Passivhaus, einmalig in Österreich: energiesparend gebaut, mit großzügigen Fensterflächen, eingeschossig, zum Teil unterkellert, insgesamt 600 Quadratmeter groß. Es wurde gemeinsam mit der Energie AG OÖ (Oberösterreich) als Modellprojekt errichtet. Dieses "Haus Meider Zukunft" kommt ohne Heizung aus, und ein Experte der Energie AG kann dank "E-home-Service" alle Funktionen per Internet fernsteuern.

Seit seiner Eröffnung im letzten Sommer steht das Vorzeigeobjekt jedem Interessierten offen. In einer eigenen Info-Ecke sind die Messdaten der neuartigen Heiz- und Lüftungssysteme abrufbar. Die Raumwärme wird ausschließlich aus der Abluft der Restaurantküche, der Duschen und der Kühlanlagen gewonnen und mit Hilfe einer Wärmepumpe aufbereitet. Das klingt zunächst etwas stickig, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das ausgeklügelte Lüftungs- und Heizungssystem "recycelt" verbrauchte Luft zu 100 Prozent. Die Akustikdecke im Restaurant dämpft nicht nur den Schall, sie wirkt auch als Porendecke und bläst ständig Frischluft ein, ohne dass es zieht oder akustisch stört. Ausdrücklich lobt der Club die "sehr gute Luftqualität" als "hohen Komfortgewinn". Selbst wenn die Küche kalt bleibt, sinkt die Raumtemperatur dank hervorragender Wärmedämmung im Haus pro Tag nur um 0,5 Grad Celsius. "In St. Oswald ist es uns gelungen, der Gastronomie ein konkurrenzfähiges und kostensparendes Gesamtkonzept für ein Passivenergiehaus zu präsentieren", so der Generaldirektor der Energie AG, Leo Windtner.

Die X-Architekten lösten ihren eigenen Anspruch ein, "intelligente Bauten" zu schaffen, in denen sich einfache Oberflächen und ausgetüftelter Materialeinsatz ergänzen. Sie wählten wenig bearbeitetes Eichenholz für Böden und Wandverkleidungen, was erstaunlich modern wirkt. Haptisch interessant: der sichtbar gelassene "gestockte", mit Meißel behauene Beton, etwa in den Garderoben oder an der Bar um den langen Spiegel herum. Dass bei dieser Gelegenheit dem Golfsport das Elitäre genommen wurde, lag durchaus im Interesse der Auftraggeber.

"Die Schwierigkeit bestand darin, das Verständnis von Gemütlichkeit in die Jetztzeit zu transformieren, ohne als Planer entlassen zu werden", lächelt David Birgmann. Dass das gelang, "war eine große Erleichterung."

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