Zeitungskommentare zu Floyd Landis
„Das ist der letzte Nagel im Sarg“

Dass der Sieger der Tour de France 2006, Floyd Landis, positiv aus Doping getestet wurde, beschäftigt am Freitag auch die Kommentatoren der europäischen Presse. Einige sehen im Ungeheuerlichen einen neuen Anfang - andere meinen, nun sei der Profi-Radsport endgültig da, wo er schon lange hingehöre.

Die belgische Zeitung De Morgen schreibt fast schon genervt: „Wenn auch die Analyse der B-Probe von Landis das gleiche Resultat ergibt und auch zusätzliche Tests seines hormonalen Profils in die gleiche Richtung weisen, dann ist er - nach Roberto Heras beim Vuelta und Ivan Basso beim Giro - der dritte Gewinner einer großen Rundfahrt in Folge, den wir in die Gosse spülen können. Es ist der soundsovielste Nackenschlag für den Radsport, aber das wird den einfachen Fan nicht um den Schlaf bringen.“

Die in Münster erscheinden Westfälischen Nachrichten greifen zu diesem Bild: „Die Apokalypse des Radsports setzt sich fort. Und Floyd Landis ist vielleicht der letzte Reiter des Unheils, der Botschafter des Endes.“

Die Basler Zeitung aus der Schweiz hat einen radikalen Vorschlag: „Keine Frage, der Radsport ... ist am Boden. Wie wäre es, wenn man das Klassement der vergangenen Tour für ungültig erklären würde und alle Rennen dieser Saison absagt: die Vuelta, die WM, die Züri-Metzgete? Es sind doch ohnehin alle gedopt. Profis, steigt vom Rad herunter. Das Spiel ist aus. Früher oder später werdet ihr überführt, dann drohen Schande und Gespött.“

Die in London erscheinende Daily Mail sieht die Tour de France k.o. geschlagen. Das Blatt fragt: „Kann sich dieser drogenverseuchte Sport jemals erholen? Die Enthüllung, dass der Amerikaner Floyd Landis die diesjährige Tour de France mit Hilfe von leistungssteigernden Drogen gewonnen hat, wird diesem Rennen mit Sicherheit einen tödlichen Schlag versetzen.“

Kaum anders sieht es La Gazzetta dello Sport aus Italien: „Die Nachricht fällt auf die Tour wie ein Beil - und dies nur vier Tage nach dem Ende eines Rennens, das sowieso schon enthauptet worden war durch den Ausschluss von Basso und Ullrich.“

Die spanische Sport-Zeitung Marca meint: „Landis verliert und Pereiro gewinnt, aber wer am meisten verliert ist wieder einmal der Radsport, der nicht aus dem Abgrund hinauskommt.“

Der Kommentator des ebenfalls spanischen Sportblattes As, Alfred Relaño, ist kaum überrascht. Er schreibt: „Die Nachricht über das Doping von Landis mag schrecklich erscheinen, aber für mich ist sie es nicht. Es ist hässlich, aber es ist ein weiterer Schritt zu einer besseren Zukunft des Radsports: eine Zukunft ohne Doping.“

Dagegen ähnelt der Kommentar der britischen Times einem Abgesang: „Der Radsport stirbt an einer Überdosis Gier, Arroganz und Betrug. Das ist kein lebenswerter Sport mehr. Die Tatsache, dass sich der Tour-Gewinner Floyd Landis den Kopf wahrscheinlich mit Testosteron zugedröhnt hat, ist der letzte Nagel im Sarg. Der Profi-Radsport hat all seine Glaubwürdigkeit verloren.“

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