Zukunft der NFL
Ein Football-Roboter als Trainingspartner

Der bewegliche Roboterspieler MVP dient als neuer Trainingspartner beim American Football. Der Football-Bot soll schwere Verletzungen und Hirn-Schäden vermeiden. Dabei wäre der Dummy beinahe in der Mülltonne gelandet.
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Gut zwei Meter hoch, etwas mehr als 90 Kilo schwer, und doch beschleunigt der neue Trainingspartner in einem Affentempo. Es ist ein Dummy, an dem die Spieler im American Football Spielzüge üben. Beispielsweise das Tackling, bei dem der verteidigende Spieler den ballführenden Angreifer mit beiden Armen umfasst und zu Boden rammt. Ohne Blessuren oder Beschwerden steht der MVP von allein wieder auf, der „Mobile Virtual Player“ – ein beweglicher virtueller Spieler. „Die Dummys sind fantastisch“, sagt Buddy Teevens, Trainer von der College-Mannschaft von Dartmouth.

Es ist ein Roboter – und die Zukunft des American Football, wie die amerikanische Profiliga National Football League (NFL) meint. Der Sport steht in der Kritik aufgrund von Gehirnerschütterungen, hervorgerufen durch Zusammenstöße im Spiel und Training. Lange Zeit schaute die Liga weg: Spieler erlitten Schädigungen des Gehirns mit furchtbaren Folgen wie Demenz oder Depression, wie sie unter anderem im Film „Erschütternde Wahrheit“ mit Schauspieler Will Smith thematisiert werden. Das belegen vor allem aber wissenschaftliche Studien. Verhaltensveränderungen und Aggressionen trieben NFL-Profis auch schon zu körperlichen Übergriffen.

Jetzt sollen die Roboter die Stöße im Training abfangen. Den neuen Roboter bestellte bislang die Hälfte der 32 Topteams der NFL, die zwei bis sieben Stück pro Mannschaft erworben haben. Auch Colleges und High School bestellen die mechanischen Trainingspartner, obwohl ein Dummy 8300 Dollar kostet. Aber viele amerikanische Eltern greifen aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder den Schulen finanziell beim Kauf unter die Arme.

Die Unterstützung der Eltern, Schulen und Colleges ist entscheidend für den Sport, eine Vereins- und Amateurbasis wie etwa beim Breitensport in Deutschland gibt es nicht. Am Donnerstag geht es wieder los. Da wählt die Liga ihre besten Nachwuchsspieler für die kommende Saison aus, der sogenannte NFL Draft 2017. Es geht auch um viel Geld: Die NFL setzte 2015 mit 12,4 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel um als noch vor einem Jahrzehnt.

Der Name des Dummys unterdessen ist eine Anspielung auf den „Most Valued Player“, den Spieler, der nach wichtigen Begegnungen als wertvollster Akteur geehrt wird. Noch ist der MVP von einem Menschen ferngesteuert, aber schon bald will die gleichnamige Firma ein Modell mit künstlicher Intelligenz herausbringen. In Zukunft sollen die MVP ganze Spielzüge ausführen, um Mannschaften und Spieler zu trainieren – nicht nur im American Football.

Mannschaften in anderen Sportarten wie Rugby zeigen sich interessiert. Auch dort kommt es, ähnlich wie beim Football, zu vielen Verletzungen. Derzeit laufen Tests im Eishockey, beispielsweise um Spielzüge in Überzahl zu simulieren – nur blocken jetzt die Dummys die Schüsse mit dem knallharten Puck ab. Die Firma MVP erstellt zudem Prototypen für Basketball oder Fußball. Hier geht es weniger um die Vermeidung von Verletzungen, als um effizienteres Training. „Dribbeln üben, Würfe blocken“, sagt John Currier, Vorstandschef von MVP, „die Spieler werden nicht für Routineübungen verheizt“.

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