«Zwei Leute bei Chemnitz»: Hoyzer übergab Marks persönlich Geld

«Zwei Leute bei Chemnitz»
Hoyzer übergab Marks persönlich Geld

Geldübergabe in der Küche: Hoyzer hat Schiedsrichter-Kollege Dominik Marks angeblich selbst für eine Spielmanipulation entlohnt. Auch ein Offenbacher Kicker wird belastet.

HB BERLIN. Robert Hoyzer hat die Vorwürfe gegen seinen früheren Schiedsrichter-Kollegen Dominik Marks präzisiert. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in seiner neuesten Ausgabe meldet, soll Marks im Wett- und Schiedsrichterskandal für zwei von ihm manipulierte Spiele insgesamt 36.000 Euro von den mutmaßlichen kroatischen Drahtziehern erhalten haben. Hoyzer sagte das laut «Spiegel» vor der Berliner Staatsanwaltschaft aus.

Hoyzer persönlich habe Marks in dessen heimischer Küche in Berlin vor dem verschobenen Regionalligaspiel Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure 6000 Euro übergeben. Außerdem, so Hoyzer, hätten er und Marks bei einem DFB-Lehrgang für Erst- und Zweitliga-Schiedsrichter Mitte Januar in einem Zimmer des Hotels Relexa in Frankfurt/Main über ihre manipulierten Spiele gesprochen. Die Anwältin von Marks, Astrid Koch, wollte zu den Vorwürfen keine Stellung beziehen.

Auf dem Hotelzimmer soll auch Bundesliga-Schiedsrichters Torsten Koop anwesend gewesen sein. Koop, der die nächtliche Debatte inzwischen gegenüber DFB-Ermittlern eingeräumt haben soll, sollte laut Hoyzer ebenfalls für Manipulationen angeworben werden. Der Versuch war allerdings erfolglos.

Wie der «Focus» berichtet, soll Hoyzer bei erfolgreicher Anwerbung von weiteren Referees für Spielmanipulationen eine «Kopfprämie» erhalten haben. Ante S., soll Hoyzer 10.000 Euro versprochen haben, wenn dieser einen Schiedsrichter der ersten Bundesliga anwerben würde. Für einen Spielleiter aus der zweiten Liga sollten 5000 Euro fließen. Zugleich bezichtigte Hoyzer einen Mittelfeldspieler des Regionalligisten Kickers Offenbach der Kooperation mit den Berliner Zockern. Der beschuldigte Fußballer habe im November 2004 mit Hoyzer und den drei Brüdern S. einen Saunaclub im Hessischen besucht und mehrfach Geld von den Kroaten erhalten.

Erstmals berichtete Hoyzer den Ermittlern von einer Verbindung zwischen dem inhaftierten Kroaten Ante S. und dem Chemnitzer Spieler und Co-Trainer Steffen Karl. So soll Ante S. Hoyzer geschildert haben, dass er «zwei Leute bei Chemnitz» habe. Einer davon sei Steffen Karl. Einmal, so Hoyzer, habe sich der Chemnitzer Kapitän für seinen Urlaub Geld von Ante S. leihen wollen. Steffen Karl dementiert den Vorwurf. Sein Anwalt Andreas Bartholome kündigte an, sein Mandant werde sich in Kürze umfassend gegenüber der Staatsanwaltschaft äußern.

Besonders ausgeprägte Beziehungen soll Ante S. indes zum heutigen Zweitligisten Dynamo Dresden gepflegt haben. Der Kroate habe Hoyzer gegenüber diesen Klub beim Gespräch über Spielmanipulationen als seinen «Stammverein» dargestellt.

«Er produziert viel heiße Luft», kommentierte der Verteidiger des verdächtigen Kroaten Filip S., Robert Unger, die neuerlichen Beschuldigungen Hoyzers, «und wird darin nur von seinem Anwalt übertroffen».

Bei einer Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Tiergarten sind für Montag Haftprüfungstermine für die drei inhaftierten kroatischen Brüder S. angesetzt. Die Staatsanwaltschaft Berlin will nun sämtliche Honorare Hoyzers aus Medienauftritten pfänden.

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