Zweifacher Medaillentraum beendet
Timo Boll im Achtelfinale knapp gescheitert

Nur wenige Stunden nach dem sensationellen Einzug in das Doppel- Finale an der Seite des Düsseldorfers Christian Süß scheiterte der Weltranglisten- Fünfte Timo Boll bei den 48. Tischtennis-Weltmeisterschaften in Schanghai vorzeitig im Einzel.

HB SCHANGHAI. Der 24 Jahre alte Linkshänder verlor am Mittwoch im Achtelfinale denkbar knapp mit 3:4 Sätzen gegen den Chinesen Liu Guozheng und blieb als letzter Vertreter des Deutschen Tischtennis- Bundes (DTTB) auch bei seiner siebten WM-Teilnahme ohne die erhoffte Einzel-Medaille. "Im Doppel habe ich an meinem Limit gespielt. Im Einzel hatte ich schon vorher Schwierigkeiten", sagte Boll zu der dramatischen Sieben- Satz-Partie gegen den Weltranglisten-18. aus dem Reich der Mitte.

Vor 10 000 Zuschauern im Hexenkessel des Schanghai Gymnasium fehlte dem jungen Hessen auch das notwendige Quäntchen Glück. Der Ex- Europameister, der Liu Guozheng zuletzt bei den German Open 2004 in Leipzig besiegt hatte, vergab im letzten Satz zwei Matchbälle und konnte den dritten Matchball des Chinesen zum 13:15 nicht mehr parieren. Zudem machte sich der Kräfteverschleiß der vergangenen Tage beim deutschen Meister bemerkbar, der auch durch eine Leistenzerrung und eine Erkältung behindert wurde.

Boll befand sich bei seinem WM-Aus in guter Gesellschaft. Auch der Chinese Wang Hao und Europameister Wladimir Samsonow (Weißrussland), Nummer drei und vier in der Welt, blieben im Achtelfinale auf der Strecke. Im Herren-Doppel stehen Boll und sein Partner Christian Süß nach einem 4:1-Sensationssieg über die einheimischen Olympiasieger Chen Qi/Ma Lin bereits im Finale und haben Silber sicher. Im Endspiel am Donnerstag (14.00 Uhr MESZ) wollen die EM-Dritten gegen die Chinesen Kong Linghui/Wang Hao das zweite Doppel-Gold für den DTTB nach dem Heim-Triumph von Jörg Roßkopf/Steffen Fetzner 1989 in Dortmund holen.

Es wäre der sechste WM-Titel für den Verband seit 1927. "Die Chinesen haben nun genügend Respekt vor uns und werden wohl die Hosen voll haben. Es sind gute Chancen für uns da, wenn wir so auftreten wie bisher", erklärte Süß keck und mutig vor dem Doppel- Endspiel. Der 19-jährige Rotschopf, der im Aussehen und Auftreten an Boris Becker erinnert, lieferte im Halbfinale das beste Spiel seiner Karriere. "Wir waren beide sehr gut und haben 100 Prozent gezeigt. Das war auch notwendig. Vor dem letzten Ballwechsel war meine Hand plötzlich schwer. Alles lief ab wie in dem Film Die Matrix, wie in Zeitlupe", beschrieb Boll die große Nervenanspannung

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"Wahnsinn, einfach Wahnsinn. Sie haben ein geniales Doppel gespielt. Die Taktik war sehr klug gewählt, einfach sehr clever", lobte DTTB-Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig die deutschen Meister. "Jetzt hoffe ich auf den WM-Titel. Er kann einiges bewegen. Die Niederlage der Olympiasieger im eigenen Land ist für China ein Schlag ins Gesicht", kommentierte Steffen Fetzner in der Heimat den Coup seiner möglichen Nachfolger. Der 36 Jahre alte Ex-Champion machte Boll/Süß Mut: "Wir haben vor 16 Jahren bei der WM in Dortmund auch die damaligen Olympiasieger aus China im Halbfinale besiegt."

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