Zwischen TV-Produktion und Golfplatz
Ein Golfer ohne Furcht und Tadel

Willy Bogner ist Unternehmer und Hochleistungssportler. Golf war ihm lange Zeit "zu betulich". Er fuhr lieber auf Skiern eine Bobbahn hinunter. Heute, sagt er, reize ihn "die Verbindung von Körper und Geist, Aktion und Analyse". Weswegen er als echte Sportsnatur auch unverdrossen bei Sauwetter Ende April für die Runde mit golfaffairs über den Platz geht.

Irgendwo auf der Autobahn hinter München macht es Klick im Kopf von Willy Bogner, ein Schalter legt sich um, "fährt die linke Gehirnhälfte herunter". Willy Bogner erreicht dann vielleicht gerade die Ausfahrt "Holzkirchen", am Horizont zeigen sich die ersten Berge. "Hier muss ich nicht planen", sagt er über sein Rückzugsgebiet in den bayerischen Alpen, "das Leben rauscht einfach durch einen hindurch." Trifft man Willy Bogner im Restaurant des Golfclubs Tegernsee in Bad Wiessee, dann ist der 64-jährige Modeunternehmer äußerlich bereits vollkommen akklimatisiert: Bogner trägt Strickjacke, schweres Schuhwerk, Filzhut, sieht aus wie der medienkompetente Bergfex, den man aus dem Fernsehen kennt, der er wahrscheinlich auch in Wirklichkeit ist.

Der Clubhaus des GC Tegernsee wirkt ganz wie ein normales Gasthaus im Alpenraum: viel altes Holz, ein Kruzifix im Herrgottswinkel. Nur die Landschaftsgemälde zeigen hier nicht Watzmann oder Wilden Kaiser, sondern das 17. Loch von Gullane Hill. Und wäre da nicht das kleine, bläuliche Wappen rechts an der Tür, man würde die gute Stube betreten wie ein normales Wirtshaus und einen Schweinsbraten bestellen. "Ich mag das", sagt Bogner, "es ist bayerisch-bäuerlich. Es passt." Dass die vielen erfolgreichen Geschäftsleute unter den Mitgliedern den Club zu einem der reichsten in Deutschland machen - egal. "Es ist sehr relaxed hier", sagt Bogner. Nur früher, erzählt er, "da war das manchmal fast eine Spielhölle. Der Gunter Sachs und seine Kumpels haben den Club mit dem Kasino gegenüber verwechselt." Heute sucht man Glamour und Dekadenz vergebens. Mit seinem Spielpartner wettet Willy Bogner, Handicap 7,2, um ein Bier und eine warme Suppe. Denn draußen ist es ungemütlich. Willy Bogner sagt: "Anfang des Jahres bin ich so heiß aufs Golf, da ist mir das Wetter egal."

Zehn Minuten steht Bogner mit Baseball-Cap, Regenhose und knallorange Outdoor-Sweater auf dem Übungsgrün und blödelt mit seinem Spielpartner herum. "Geht es jetzt endlich los?" sagt er, und: "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Klamotten." Der Satz - zu gleichen Teilen Bauernregel, Werbeslogan und Lebensmotto - passt zu Willy Bogner, denn in dessen Leben sind Mode, PR und Sport immer eine höchst effektive Symbiose eingegangen. 70 Prozent der Menschen in Deutschland kennen den Namen Bogner. Aber denken sie dabei an die Klamotten oder an die Person Willy Bogner, der ein so wildes und buntes Leben führt, dass er manchmal aussieht wie eine Figur aus seinem eigenen Werbespot?

Jetzt läuft er aber ganz real an einem kühlen Aprilsamstag über das Fairway und erzählt ein paar Geschichten. Es sind lustige, gefährliche, manchmal fast unglaubhafte Anekdoten, in denen oft auch große Stars des 20. Jahrhunderts auftauchen, die Bogner in München, St. Moritz oder im Golfclub St Andrews, wo er ebenfalls Mitglied ist, getroffen hat. Es sind Geschichten, die man sich an diesem Unwettertag gerne länger in der Stube am Kamin angehört hätte, aber Willy Bogner schreitet weiter forsch voran, in den Regen hinein.

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