Anstoß – Die WM-Kolumne
Aldi verlegt die WM nach Peru

Es ist verständlich, dass alle möglichen Firmen WM-Wochen ausrufen: Flip-Flops, Sambatrommeln, grün-gelbe Grills. Auch Aldi Süd wirbt mit der hauseigenen WM-Party – nimmt es aber mit Auswahl der Produkte nicht so genau.
  • 0

Die Weltmeisterschaft steht kurz vor ihrer Eröffnung und soll die Kasse zum Klingeln bringen – nicht nur in Brasilien, auch in Deutschland wollen die Händler vom Gute-Laune-Kauf-Gefühl der Menschen profitieren. Noch besser funktioniert das Eigenmarketing, wenn die eigenen Produkte nicht plakativ, sondern durch die Hintertür präsentiert werden. So dachten es sich wohl auch die Werbe-Verantwortlichen des Discounters Aldi Süd, die auf ihrer Homepage eine hauseigene WM-Party ausriefen und Besucher mit Rezepttipps versorgen – aus dem Gastgeberland der Weltmeisterschaft versteht sich.

Doch schon der erste Satz schreckt wahre Brasilien-Kenner auf. „Wer seine Gäste mit echt brasilianischen Spezialitäten verwöhnen will, kommt kaum ohne Empanadas aus. Die frittierten oder im Ofen gebackenen Teigtaschen werden ganz klassisch mit Rinderhack oder Hühnchen gefüllt, vegetarisch mit Mais und Käse oder etwas ausgefallener mit Avocado“, heißt es dort.

Für Cristina Ramalho ist das ein Unding. „Ein Fauxpas“, wie sie sagt. Nicht die Empanadas als solche, sondern die Aldi-Werbung, die diese als brasilianische Spezialität anpreist. „Da wird zur WM in Brasilien kurzerhand alles in einen Topf geschmissen“, sagt die gebürtige Brasilianerin, die als Coach für interkulturelle Kommunikation in Köln arbeitet. „Dabei sind Empanadas eine Spezialität aus Peru und Paraguay. Auch in Ländern wie Mexiko und Chile werden die Teigtaschen serviert. Nur in Brasilien gibt es nun mal andere Spezialitäten.

Was Ramalho derzeit bei der WM-Werbung missfällt: Alles, was sich irgendwie mit Exotik, Strand und Ferne assoziieren lässt, wird als brasilianisch verkauft. Auch bei Aldi Süd finden sich weitere Ausreißer: „Ein Pina Colada Cocktail trinkt man nun mal eher in der Karibik“, sagt Ramalho. Brasilianisch sei er garantiert nicht – lecker mag er aber trotzdem sein.

PS: Aldi Süd hat inzwischen auf die Anfrage des Handelsblatts reagiert. Dort hält man das Urteil unserer Brasilien für etwas zu streng: Denn auch wenn das Unternehmen den Ursprung nicht benennen könne, sei die Empanada heute doch auch – aber eben nicht nur – in Brasilien beliebt.

Kommentare zu " Anstoß – Die WM-Kolumne: Aldi verlegt die WM nach Peru"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%