Anstoß – Die WM-Kolumne
Plädoyer für das „Private Viewing“

Gemeinsam guckt es sich besser. Oder? Das neudeutsche „Public Viewing“ hat in Zeiten von „Second Screens“ und WM im Nirgendwo an Popularität eingebüßt. Zurecht. Ein Plädoyer.
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Spätestens seit dem Fußball-Märchen von 2006 hat Deutschland alle zwei Jahre Fieber. Zu Welt- und Europameisterschaften interessiert sich plötzlich jeder für Fußball. Auch diejenigen, die nicht einmal wissen, dass eine Mannschaft elf Spieler hat.

Die Frage „Guckst du heute Abend das Spiel?“ ist nahezu obsolet. In Düsseldorf liefen am Donnerstagabend schon erste Menschengruppen in Schwarz-Rot-Güldener Kluft herum – vor dem Spiel Brasilien gegen Kroatien.

Wenn Deutschland am Montag das erste Gruppenspiel gegen Portugal gewinnt (Feststellung), wird fast die gesamte Bundesrepublik zuschauen – und dabei grundsätzlich zwei Möglichkeiten haben. Die einen werden das Spiel Zuhause vor dem Fernseher verfolgen, die anderen zu Tausenden auf öffentlichen Plätzen.

Das Public Viewing ist zur zwingenden Begleiterscheinung des Fußballs geworden. Überall in Deutschland treffen sich die Eventfans und Ahnungslosen auf eingezäunten Parkwiesen oder in mit Fähnchen und Girlanden geschmückten Turnhallen zum Sammelglotzen. Zugegeben, der Trend nimmt ab. Aber ich habe mit dieser Form des Fußballguckens schon länger abgeschlossen.

Die Gründe für mein Dasein als Public-Viewing-Verweigerer liegen nicht auf der Hand. Sie stehen vor, hinter und neben einem: Junge Mädchen, die ohne Hemmungen nach Götze kreischen, wenn im Bild gerade deutlich erkennbar Müller auf den Rasen rotzt.

Oder der Depp in der Vorderreihe, der einem mit seiner XXL-Deutschlandperücke oder der bettdeckengroßen Fahne die Sicht auf die Leinwand nimmt; und der Langnese-Fan-Trikot-Träger, der bei jedem Einwurf für den Gegner ein „Scheiß Schiri“ vom Stapel lässt – gerade denen, die beim anschließenden Autokorso ganz vorne mit dabei sind, war die Nationalmannschaft noch vor einer Woche egal. Und wird es vier Wochen später wieder sein.

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Plädoyer für das „Private Viewing“

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„Den muss er doch haben!“

Kommentare zu " Anstoß – Die WM-Kolumne: Plädoyer für das „Private Viewing“"

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  • Gääähnnn...das weiß inzwischen wirklich jeder. Mache erblöden sich dennoch immer wieder darauf hinzuweisen.

  • "Das neudeutsche „Public Viewing“ ..."

    Public Viewing bezeichnet im angelsächsichen Raum die öffentliche Aufbahrung eines Toten.

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