Anstoß – die WM-Kolumne
Und es hat „Zoom“ gemacht

Wahnsinn! Irre! Unglaublich? Falsch. Der Erfolg gegen Portugal fiel unerwartet hoch aus, ja. Aber der Erfolg ist das Ergebnis akribischer Arbeit, fehlgeschlagener Tests – und zeugt vom Dramaturgen Jogi Löw.
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Düsseldorf, kurz nach 18 Uhr. Mario Götze rennt. Joao Pereira hält. Perfekter Schuss – Thomas Müller. Nach nur zwölf Spielminuten jubelt die Redaktion von Handelsblatt Online. Ein wenig ungläubig, ziemlich überrascht, aber bestimmt. Es hat wieder einmal, frei nach Klaus Lage, „Zoom“ gemacht. So ist es in den letzten Jahren mit dem deutschen Fußball: Man hat sich 1000 Mal berührt. 1000 Mal ist nichts passiert. Aber Tausend und eine Nacht... Sie kennen den Rest.

Das ambivalente Verhältnis Fußball-Deutschlands zu seiner Nationalmannschaft ist einmal mehr in grenzenlose Liebe umgeschlagen. Vor dem mittlerweile traditionellen Auftakterfolg ist die Stimmung immer von gequälter Euphorie bestimmt. 2006 war man locker und gelöst, man erwartete von dem jungen Team unter Klinsmann/Löw nichts. Seither sollten es am besten wieder Titel sein. Und so werden viele Kollegen die DFB-Auswahl jetzt mit Freude zum Turnierfavoriten hochschreiben. Ach, wem versuche ich etwas zu erzählen: Wir doch auch.

Der überzeugende Dramaturg Joachim Löw hat wieder einmal zugeschlagen. Mit meisterlichen Kniffen – Boateng gegen Ronaldo stellen, auf den klassischen Stürmer verzichten – wurde der Spannungsbogen einem vorläufigen Klimax zugeführt. Wieder hat Löw es geschafft, die tatsächliche Stärke, die das Team (an einem guten Tag) abrufen kann, vor allen geheim zu halten.

So sehr sich die Berichterstattung nun überschlägt, so sehr die Höhe überrascht: Nichts von dem, was gegen Portugal auf dem Platz geschehen ist, kam aus dem Nichts. Tatsächlich nahm das Team im Pflichtspiel den Gegner richtig ernst. Und das viel kritisierte Experiment mit der „falschen Neun“ – ehrlich, darf man das noch so nennen? – hat sein eigentliches Potenzial angedeutet.

Es hat „Zoom“ gemacht. Mit Ansage. Hoffen wir, dass es so bleibt.

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