Brych nach Hause, Rodriguez weiter
Schiedsrichter-Komitee im Kreuzfeuer der Kritik

Es wird getreten, gezerrt und gebissen – trotzdem verzichten die Schiedsrichter oft auf Strafen. Ausgerechnet der Schiri, der Suarez' Biss übersah, pfeift nun das deutsche Halbfinale. Und Felix Brych muss Koffer packen.
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Belo HorizonteFußball-Legende Diego Maradona schimpfte über den „miesesten Schiedsrichter der letzten zehn Jahre“, der frühere Top-Referee Urs Meier sprach in der ersten Empörung von einem „Treter-Festival“ und DFL-Experte Hellmut Krug übte Generalkritik. Nach dem brutalen Foul an Brasiliens Stürmerstar Neymar und dessen WM-Aus ist die emotionale Debatte über die Schiedsrichterleistungen bei der Endrunde in Brasilien erneut hochgekocht. „Grundsätzlich gefällt der deutschen Schiedsrichterführung die Gangart bei dieser WM nicht“, zog Krug in einem Telefoninterview des TV-Senders Sky Sport News HD schon vor den letzten vier Turnierspielen eine negative Bilanz.

Der frühere Fifa-Referee, der die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Schiedsrichterfragen berät, hat bei der Endrunde am Zuckerhut eine fatale Fehlentwicklung ausgemacht. „Bei dieser WM wollte man offensichtlich von Beginn an weniger Karten vergeben. Leider hat man den Mittelweg nicht gefunden. Die meisten Schiedsrichter waren zu großzügig und das entspricht nicht dem, was die nationalen Verbände und die Fifa schulen“, kritisierte Krug die weltweit heiß diskutierten Auftritte der Spielleiter.

Krug relativierte zumindest, dass es auch „großartige Schiedsrichterleistungen, wie zum Beispiel die von Felix Brych“, gegeben habe. Der deutsche WM-Referee kam dennoch nur zweimal zum Einsatz und wird nach dem Vorstoß der DFB-Auswahl ins Halbfinale nicht mehr zum Zuge kommen. Das Schiedsrichter-Komitee des Weltverbandes Fifa schickte Brych und sein Gespann am Montag nach dem Viertelfinale nach Hause. Während der Referee ein glänzendes WM-Debüt bei der Partie Uruguay gegen Costa Rica (1:3) feierte, verweigerte er den Russen im Spiel gegen Belgien (0:1) einen Foulelfmeter. Wahrscheinlich wurde dem Schiri dieser Patzer zum Verhängnis.

Auf 180 war Urs Meier. In einem Gastbeitrag für Focus Online schrieb sich der Schweizer den Frust von der Seele, den er nach dem Wirbelbruch und dem damit verbundenen WM-Aus von Neymar mit Millionen Fußball-Fans teilt. „Der Ball wird zur Nebensache. Die WM verkommt zu einem Treter-Festival“, stellte Meier deprimiert fest. „Der Fußball bei dieser WM ist viel zu physisch und körperbetont, die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert – die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche“, schimpfte er weiter und behauptete: „Das hat die Fifa mit zu verantworten.“

Die Kritik wird durch die WM-Statistik gestützt. Verteilten die Unparteiischen bei der WM 2010 in Südafrika noch 245 Gelbe Karten, waren es bei dieser Endrunde bis zum Halbfinale lediglich 168. Vor vier Jahren wurden insgesamt 17 Platzverweise ausgesprochen, bei dieser Endrunde sind es bisher erst zehn. Noch gravierender sind die Unterschiede zum Turnier 2006 in Deutschland. Damals zogen die Unparteiischen 307 Mal den gelben Karton und schickten gleich 28 Mal einen Spieler vorzeitig vom Platz.

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