Der Final-Flitzer
Was die Fifa uns nicht zeigen wollte

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Fifa will nur schöne Bilder zeigen

Die Fifa zeigt sich in diesen Fragen unnachgiebig. „Das Ziel der Fifa lautet, den Fans die bestmöglichen TV-Bilder zur Verfügung zu stellen“, sagte ein Fifa-Sprecher der „Welt am Sonntag“ auf deren Nachfrage zu den Gründen der „Flitzer-Zensur“.

Fifa-TV-Chef Niclas Ericson hatte kurz nach dem Turnierstart beschwichtigt: „Es ist schön, eine Aufnahme von den Vip-Tribünen zu haben. Aber der Fokus liegt auf dem Geschehen auf dem Platz.“ Flitzer stören die Events, da sind sich die meisten Beobachter einig.

Dennoch finden es viele bedenklich, dass jegliche Kritik am Weltfußballverband oder an anderen Organisationen des Profisports zensiert wird. So wurde ein italienischer Flitzer aus den offiziellen Übertragungsbildern herausgehalten, der während des Achtelfinales USA-Belgien an die Probleme der Bewohner in den brasilianischen Favelas erinnern wollte. Auch der Verweis auf einen im Mai erschossenen Fan des SSC Neapel, mit dem der Italiener Kritik an der teils übertriebenen Gewalt am Rande von Fußballspielen üben wollte, wurde zensiert.

Einige Fans sympathisieren auch jenseits solcher politischer Botschaften offen mit den Flitzern. So hat etwa der weltbekannte Flitzer Jimmy Jump, der etwa 2010 in Südafrika den Pokal zu berühren versuchte, etliche Fans.

Dokumentiert ist der Flitzer-Auftritt vom Finale am Sonntag trotz der restriktiven Bemühungen des Weltfußballverbandes, was Vitaly Zdorovetskiy dazu veranlasste, sich „finally famous“ zu nennen und sich für seinen Bauch zu entschuldigen, der unter dem Schriftzug „Natural Born Prankster“ („geborener Schelm“) etwas ausbeulte.

Denn Basketballstar Lebron James, der sich eher zufällig im Maracanã befand, filmte den symbolträchtigen Lauf und postete den Clip auf seinem Instagram-Account und schrieb: „We're going streaking! Everyone's doing it. Man that was hilarious“ („Wir machen uns nackig. Jeder macht's! Mann, das war wahnsinnig komisch“).

Offenbar hatte auch dieser Streich des Russen keine ernsten Konsequenzen, ein Freund vermeldete, er habe nur 100 US-Dollar Strafe zahlen müssen und sei dann wieder auf freien Fuß gekommen.

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Karen Grass
Karen Grass
Handelsblatt / Freie Journalistin

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