Deutsche in Brasilien
„Genießen! Sowas erlebt man nur alle 24 Jahre“

In einem packenden Spiel macht Deutschland den vierten Titel klar. Damit endet die WM in Brasilien. Doch nach dem vierten Platz der Brasilianer hat im Land schon zuvor der Alltag begonnen. Ein Stimmungsbericht.
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Salvador, Rio de JaneiroSalvador ist die drittgrößte Stadt Brasiliens. Doch die rund 1500 Deutsche unter den drei Millionen Einwohnern treffen sich selten  Es gibt keine deutsche Community – anders als in São Paulo oder Rio de Janeiro. Doch bei der WM haben das Goethe-Institut zusammen mit dem deutschen Honorarkonsulat ihre Tore geöffnet. Und siehe da: Im Hinterhof einer staatlichen Kolonialvilla sitzen zwei Stunden vor Spielbeginn schon knapp hundert Zuschauer. Als im 1200 Kilometer südlich gelegenen Rio angepfiffen wird, gibt es kein Platz mehr zum Stehen oder Sitzen unter den Mangobäumen, in denen Äffchen herumturnen, 600 Menschen drängen sich.

In der Mehrheit Brasilianer, darunter Sprachschüler des Goethe-Instituts, aber eben auch ein Drittel Deutsche. Das kulinarische Angebot ist bescheiden. Kartoffelsalat, eine Art Currywurst, Apfelkuchen. In der zweiten Halbzeit wird das Match wegen fehlender Tore und nahendem Schlusspfiff immer spannender. Da beginnt das Bild zu wackeln, sich zu verdunkeln, plötzlich sind nur noch Schemen zu erkennen. Dann bricht die Übertragung ganz ab, aber der Ton läuft weiter.

Das Publikum schweigt. Jeder versucht auf seinem Handy die Übertragung zu verfolgen. Zehn ewige Minuten vor der Verlängerung flackert die Übertragung. Ein Techniker schwitzt und korrigiert den Beamer. Es beginnt zu regnen. Endlich geht das Bild wieder. Kurz vor der Verlängerung. Als das Tor von Götze fällt, springen die zwei Dutzend wartenden Fotografen und Kameramänner auf und halten auf die jubelnde Menge. Seit fast zwei Stunden haben sie auf das Jubelmotiv der Deutschen gewartet.

Als schon der Tropenregen auf das Dach prasselt schaut die Menge zu, wie sich die Spieler nicht trennen können. Nicht vom Pokal, nicht von diesem Stadion, nicht von ihren Fans. Die Argentinier sind schon auf dem Heimweg, da reißt Bastian Schweinsteiger noch einmal das Goldstück in die Höhe. Die Kurve johlt, jubelt, klatscht. Jetzt haben die Deutschen das Sagen in Maracana.

Es waren harte 120 Spielminuten zu übersehen, die Nerven angespannt, die Argentinier stark auf dem Feld und den Tribünen. Da kommt die brasilianische Hilfe gerade Recht. Zeitweise werden die Anhänger mit dem Bundesadler auf der Brust aufgerieben in der Fehde der beiden südamerikanischen Fangruppen.

Die Spielerfrauen dürfen nach dem Schlusspfiff aufs Feld, als Andre Schürrle seine Liebste in den Arm schließt, schießen ihm Tränen in die Augen. Seine Vorlage auf Mario Götze hat den Weg zu diesem Triumph geebnet. Tränen fließen nur wenige Meter entfernt auch bei Angel di Maria. Der argentinische Flügelflitzer konnte nicht spielen, war verletzt, jetzt ist er nur noch bitter enttäuscht.

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