DFB-Auswahl
Kellner Kroos bedient jetzt die Stürmer

Im Mittelfeld droht der DFB-Elf vor dem Ghana-Spiel ein Machtkampf. Leithammel Bastian Schweinsteiger drängt ins Team. Doch ein Mannschaftskamerad vom FC Bayern macht ihm den Platz im Team streitig.
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Campo BahiaBastian Schweinsteiger holt die Vergangenheit ein. Nach der Europameisterschaft vor zwei Jahren bemängelte der Bayern-Spieler, damals unumstrittener Motor im deutschen Mittelfeld, den Zusammenhalt in der Truppe. Die Ersatzspieler hätten die Tore der eigenen Mannschaft nicht euphorisch genug bejubelt. Das kann Schweinsteiger nun besser machen – denn ihm selbst droht ein Stammplatz auf der Ersatzbank.

Das Mittelfeld war im ersten Spiel der Deutschen bei der WM 2014 gegen Portugal das Prunkstück der deutschen Nationalmannschaft. Sami Khedira und Kapitän Philipp Lahm sind bei Trainer Jogi Löw gesetzt. Und nun überragte auch noch der dritte im Bunde: Toni Kroos.

Zwei Tage nach dem Spiel wusste der Bayern-Profi, dass er mit seiner Leistung gute Argumente für weitere Engagements in der Startelf geliefert hatte. Geschickt verteilte er die Bälle, Toren gingen seine Flanken voran, seine Laufleistung – ungewöhnlich stark. Was er noch verbessern kann? „Tore schießen“, sagt Hansi Flick, der Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Dann würden Kroos‘ Leistungen auch in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erfahren.

„Tatsächlich hat Kroos eine enorme Entwicklung durchgemacht und schon die gesamte Saison auf hohem Niveau gespielt“, lobt Flick weiter. Seine Spezialität ist die Spieleröffnung und das Ballverteilen. Garçom – Kellner – nennen die Brasilianer den Typ des Taktgebers im Mittelfeld. „Natürlich setze ich meine Mitspieler gerne in Szene“, sagt Kroos selbst dazu. „Aber abends lasse ich mir die Getränke doch lieber bringen.“

Seine Passquote sei überragend, seine Einstellung professionell, findet auch Flick. „Er geht auch jeden Morgen unaufgefordert zum Frühstück.“ Für den Trainer steht Kroos derzeit „berechtigt in der ersten Elf“. Und diesen Platz will Kroos auch am Samstag einnehmen, wenn es für die DFB-Elf gegen Ghana geht. Selbst wenn der angeschlagene Innenverteidiger Mats Hummels ausfallen sollte, ist ein Wechsel von Lahm in die Abwehrkette für das Trainerteam nicht geplant. Damit bliebe das Mittelfeld komplett.

„Natürlich gibt es Härtefälle wie Schweinsteiger“, sagt Flick, „aber auch Miroslav Klose und Lukas Podolski.“ Es könnten aber nur 14 Mann aus dem Kader in einem Spiel ran. Umso wichtiger sei die Unterstützung von außen. „Wie Klose vor dem Portugal-Spiel zur Mannschaft gesprochen hat, war klasse – alle müssen die unterstützen, die auf dem Platz stehen.“

Und auf ihre Chance warten. Die könnte bei den schwierigen äußeren Bedingungen, die das Turnier in Brasilien bietet, schneller kommen, als gedacht. „Wir brauchen den gesamten Kader“, sagt Kroos daher auch – und ist trotzdem nicht gewillt, den Platz mit Schweinsteiger so bald zu tauschen.

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