WM-Kolumne Doppelpass
Ein Dank an die Mannschaft, den Trainer, die Fifa

Wie das WM-Finale auch ausgeht, Deutschland hat schon jetzt gewonnen. Der Auftritt einer sympathischen, bescheidenen Mannschaft beeindruckt die Welt – und das positiv. Doch ohne die Fifa wäre das nie möglich gewesen.
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Auch, wenn das wichtigste Spiel noch aussteht: Man kann der deutschen Nationalmannschaft schon jetzt gratulieren. Sie hat durch spannende Partien, ansprechende Leistungen und ein wirkliches Jahrhundertspiel im Halbfinale die Menschen in Deutschland und der Welt begeistert. Ich verfolge diese WM in meiner Heimat und das ist für mich, ähnlich wie im Jahr 2006, etwas ganz Besonderes. Ab 2008 habe ich jedes Turnier im Ausland verbracht.

Man spürt aber gerade in der Heimat, wie Fußball ein Land verbinden und Interessengegensätze aufheben kann. Natürlich hält das nicht ewig, doch es ist schön zu spüren, dass so etwas möglich ist. Man muss nicht im Stadion sein: Das gemeinsame Erleben im großen wie im kleinen Kreis ist bei so einem Finale und solchen Spielen wie gegen Brasilien unvergleichlich schön.

Doch Deutschland glänzt nicht nur sportlich. Das vorbildliche Auftreten der Mannschaft, sympathisch und bescheiden, ist die wirkliche Botschafterrolle unseres Landes. So sehen wir Deutschen heute aus: nicht überheblich und großkotzig. Die Spieler und der Trainerstab haben sich im Moment des Triumphes den maßlos enttäuschten Brasilianern zugewendet und ihnen die Hand gereicht.  

Wir können, wir werden auch den Titel holen! Wer zeichnet für den Erfolg der DFB-Auswahl verantwortlich? Ich habe Joachim Löw 2006 zum Bundestrainer gemacht – das war offenbar nicht ganz falsch. Wir sollten auch nicht vergessen, dass die nach den Debakeln 2000 und 2004 von Gerhard Mayer-Vorfelder forcierte stärkere Jugendarbeit diese Spieler hervorgebracht hat. Die Hälfte der aktuellen Mannschaft war immerhin 2009 schon U21-Europameister. Da hat sich bereits einiges abgezeichnet.

Ich möchte aber auch ein paar Sätze zum Turnier sagen. Was gab es im Vorfeld nicht alles für Befürchtungen: Chaos, Unruhen, nichts fertiggestellt. Kritik wurde auch vor den Weltmeisterschaften 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika geübt. Es wird aber niemand ernsthaft bestreiten, dass all diese Turniere, gerade jetzt auch das in Brasilien, großartige Erfolge waren.

Ginge das eigentlich ohne die Fifa? Das sollte sich der ein oder andere Beobachter selbstkritisch fragen.

Drei Wünsche zum Schluss: Erstens, wünsche ich dieser sympathischen deutschen Mannschaft und all ihren Fans den lang ersehnten Titel. Ich wünsche mir aber auch, dass der WM-Erfolg nachhaltig wirkt – weltweit, durch mehr Sensibilität  bei Turniervergaben und im Ausrichterland. Die Demonstrationen beim Confed Cup und vor der WM haben Gründe. Die dürfen nicht vergessen werden.

Für Deutschland wünsche ich mir, dass der Erfolg das gesellschaftliche Engagement im Fußball weiter verstärkt und der Basis, den 26.000 Vereinen, den Hunderttausenden Ehrenämtlern, hilft. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, wie nach 2006, Tausend Bolzplätze zu bauen. Man darf nie vergessen, dass Breite und Spitze untrennbar zusammengehören.

Theo Zwanziger
Theo Zwanziger
/ Ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB)

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